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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Verfassung - vereinbaren  Gewalt,  als  Ziel  im  Auge  behielt,  suchte
sich  Neckern  durch  Malouet  zu  nähern.  „Ich  kannte,”  sagt  dieser, ­
  „den  Grafen  Mirabeau  nur  durch  seinen  Ruf,  der  mir  grossen
Widerwillen  eingeflösset  batte  und  hegte  gegen  ihn  eben  so  viel
Misstrauen  als  Vorurtheil.”Mirabeau  sagte  ihm:  „Ich  bin  nicht  der
Mann,  mich  niederträchtigerWeise  dem  Despotismus  zu  verkaufen,
ich  will  eine  freie  aber  monarchische  Verfassung.”  —Er  verpflichtete ­
  sich,  wenn  Necker  und  Montmorin,  wiewohl  sie  weder  ihn,
noch  er  sie  liebte,  sich  mit  ihm  verständigen  wollten,  alle  seine
Kraft  und  seinen  Einfluss  aufzubieten,  um  dem  drohenden  Ueberfluthen
  der  Demokratie  zu  wehren.  •—  „Diese  Erklärung,”  erzählt
Malouet  weiter,  machte  auf  mich  tiefen  Eindruck;  sie  war  verständig ­
  genug,  dass  ich  sie  für  aufrichtig  halten  konnte,  denn
Mirabeau  besass  eine  scharfe  Urtheilskraft  und  wollte  das  Rose
nicht  des  Bösen  wegen.”  Diese  Unterredung  führte  den  Grafen
eben  so  wenig  zum  erwünschten  Zwecke,  als  später  eine  Annäherung ­
  an  La  Fayette,  für  den  er  ein  eigenes  Ministerium  geschaffen
wissen  wollte,  das  er  für  sich  selbst  wünschte,  oder  die  an  den
Herzog  von  Orleans,  dessen  Feigheit  und  Charakterlosigkeit  aber
er  gar  bald  zu  sehr  durchschaute,  als  um  sich  demselben  mit  Vertrauen ­
  anzuschliessen,  oder  an  den  verbrecherischen  Scenen  des
fünften  und  sechsten  Octobers  Theil  zu  nehmen.
Den  glänzendsten  Reden,  den  folgenreichsten  Beschlüssen  der
Nationalversammlung  in  den  ersten  beiden  Jahren  der  französischen
Revolution  ist  der  Namen  Mirabeau’s  aufgeprägt,  er  brachte  für
die  Glieder  derselben  den  Namen  der  Vertreter  des  französischen ­
  Volkes  in  Vorschlag,  er  ist  der  Verfasser  der
in  der  vorliegenden  Lebensbeschreibung  ganz  aufgenommenen
Adresse  an  den  König,  worin  derselbe  um  Entfernung  der
Truppen,  um  die  Errichtung  von  Bürgerwehren  in  Paris  und  Versailles ­
  gebeten  ward;  wenige  Tage  nach  der  Erstürmung  der  Bastille ­
  ward  er  auf  dem  Platz  derselben  vom  Volke  im  Triumphe
empfangen,  mit  Blumen  und  Gedichten  überhäuft  nnd  sein  Wagen
mit  den  in  der  Bastille  erbeuteten  Büchern  und  Schriften  gefüllt;
aber  er  verschmähte  es  in  der  Umsturzsitzung  des  4.  August  an
der  Erklärung  der  Menschenrechte  Theil  zu  nehmen,  und  nahm
eine  durch  den  Tod  seines  Vaters  veranlasste  Familienzusammenkunft ­
  zum  Vorwand,  in  dieser  Sitzung  nicht  zu  erscheinen.  Er
            
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