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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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fassung  organisirt  ist,  werden  wir  bloss  eine  aus  verschiedenen
schlecht  verknüpften  Ständen  bestehende  Gesellschaft,  einen  fast
aller  geselligen  Bande  entbehrenden  Volkshaufen  bilden,  dessen
einzelne  Glieder  nur  ihren  persönlichen  Vortheil  im  Auge  haben.”
Also  nur  das  Band  gemeinsamer  Gesetzgebung  und  geregelter
Verfassung,  welches  die  in  ihren  Mundarten  sich  einander  nicht
verstehenden  Bewohner  der  Bretagne  und  der  Provence,  den
Deutschen  im  Eisass,  wie  den  Italiener  in  Corsica  umschlingt,  sind
die  verschiedenen  Völkerschaften  zum  grossen,  mächtigen,  einigen
französischen  Reiche  vereint.
Bis  zur  Eröffnung  der  Reichsstände  am  5.  Mai  1789  am  selben ­
  verhängnissvollen  Tage,  an  welchem  zwei  und  dreissig  Jahre
hernach  Napoleon  starb,  hatte  sich  Mirabeau  zwischen  den  Parlamenten ­
  und  dem  Hofe  neutral  gehalten;  überzeugt,  dass  Frankreich
durch  die  Geographie  zur  Monarchie  bestimmt  ist,  sprach  er  in
einem  gewiegten  Schreiben  an  Montmorin  diese  Ueberzeugung  mit
der  aus,  dass  es  keine  Schwierigkeiten  gebe,  als  die  man  sich
selbst  schafft,  oder  die  aus  der  schrecklichen  Krankheit  aller  Regierungen ­
  entspringen,  nie  aus  eigenem  Antriebe  heute
zu  bewilligen,  was  ihnen  morgen  unfehlbar  ab  gerungen ­
  wird.  Der  Zeitraum  von  nicht  vollen  zwei  Jahren  (den  er
starb  am  2.  April  1791)  der  grössten  politischen  Thätigkeit  Mirabeau’s
  und  seines  grössten  Glanzes  als  Redner  beginnt  von  seiner ­
  am  obigen  Tage  der  Eröffnung  der  Rcichsständc  gehaltenen
Rede  und  zerfällt  in  zwei  gleiche  Hälften  (jede  fast  von  einem
Jahre)  die  erste,  wo  er  ein  Tribun  der  Revolution  und  ein  Hebel
derselben  die  Monarchie,  welche  nach  seiner  Ueberzeugung  doch
nur  allein  für  Frankreich  möglich,  als  Redner  und  Mitglied  des
Clubbs  der  Jacobiner  untergrub,  in  der  zweiten  Hälfte  aber,  seitdem ­
  er  vom  Hofe  erkauft  war,  das  Ungewitter,  das  er  grossen
Theils  selbst  hervorgerufen,  wieder  zu  beschwören  und  das  entzügelte ­
  wilde  Ross  der  Volksleidenschaften  wieder  in  die  gesetzliche
Bahn  zurückzulenken  versuchte,  was  ihm,  wenn  auch  nicht  zu
früher  Tod  seine  Bestrebungen  unterbrochen  hätte,  wohl  nicht  gelungen ­
  wäre.  Mirabeau,  dessen  Scharfblick  und  Voraussicht,  wie
Herr  Dr.  Pipitz  mit  Recht  sagt,  in  politischen  Dingen  kaum  je
ihres  gleichen  fanden,  der  für  sein  Vaterland  eine  freie  Verfassung,
für  sich  selber  aber  den  Besitz  der  grössten  mit  einer  solchen
            
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