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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Jänner  1787  (am  selben  Tage,  an  welchem  sechs  Jahre  hernach
Ludwig  XVI.  das  Schaffot  bestieg)  rcisete  Mirabeau  nach  Paris  ;
in  der  Erwartung  seiner  Anstellung  getäuscht  und  von  dem  neuen
Minister,  dem  Erzbischof  von  Toulouse  (Brienne)  nicht  besser,  als
später  von  dessen  Nachfolger  (Necker)  behandelt,  kehrte  er  schon
nach  vier  Monaten  (Ende  Mai’s)  nach  Deutschland  zurück;  hier
vollendete  er  mit  Mauvillon  sein  berühmtes  Werk  „Ueber  die
preussische  Monarchie  unter  Fri  d  er  ich  dem  Grossen,” ­
  in  welchem  sich  gerechte  Würdigung  deutschen  Fleisses,
deutscher  Literatur  und  ihrer  Heroen,  namentlich  Mendclsohn’s,
Kant’s  und  Lessing’s  kund  gibt.
Der  Glanzpunct  des  ersten  Buches  ist  die  Huldigung,  welche
Mirabeau  dem  Genius  Friederich’s  II.  darbringt.  Miraheau  und
Mauvillon,  beide  Anhänger  des  physiokratisclien  Systems  rügen
die  Nachtheile  des  Systems  indirecter  Besteuerung  und  die  üppig
wuchernde  Schmarotzerpflanze  der  Scbreiberwirthschaft  als  einen
der  verderblichsten  Krebsschäden  Deutschlands.
Den  vorwiegendsten  Antlieil  scheint  Miraheau’s  Feder  am  achten ­
  Buche  gehabt  zu  haben,  das  von  Religion,  Unterricht,  Gesetzgebung ­
  und  Verwaltung  handelt.  Von  der  Religion  geht  Miraheau
auf  die  mit  ihr  mehr  oder  minder  in  Zusammenhang  stehenden  geheimen ­
  Gesellschaften  über,  wider  die  er  kein  wirksameres  Gegenmittel ­
  als  die  freie  Presse  kennt.  Er  spricht  der  sich  seihst  beschränkenden ­
  monarchischen  Verfassung  das  Wort:  „Wir  verlangen
bloss  eine  gesetzliche  Verfassung,  eine  von  der  souverainen  Gewalt ­
  ausgehende  Erklärung,  die  ausspricht:  Dies  darf  ich  und
mehr  nicht.”  Indem  er  die  Nebenbuhlerschaft  zwischen  Oesterreich ­
  und  Preussen  bespricht,  entscheidet  er  sich  zu  Gunsten  des
letzteren.  In  dem  Anhänge  zum  Werke  über  die  preussische  Monarchie, ­
  -welcher  in  ähnlicher,  aber  bei  weitem  nicht  so  erschöpfender ­
  Weise  von  Sachsen,  Baiern  und  Oesterreich  handelt,  das
Miraheau  aber  keineswegs  aus  Selbstansicht  kannte,  entschuldigt
er  selbst  seine  Parteilichkeit  wider  Joseph  II.  :  „ohne,  (sind  Mirabeau’s
  Worte)  den  Werth  des  Fürsten  zu  verkennen,  der  ungemein ­
  arbeitsam,  unterrichtet,  und  dabei  von  dem  Wunsche  beseelt
ist,  seine  Staaten  den  aufgeklärtesten  Nationen  Europas  an  die
Seite  zu  stellen.”
            
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