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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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nur  das  Aeussere  Mirabeau’s  beurtheileu  konnten,  erwähnet
haben,  so  können  wir  unmöglich  den  Namen  einer  dritten  grösseren ­
  verschweigen,  welche  mit  Mirabeau  näher  bekannt,  ihn
besser  zu  beurtheileu  im  Stande  war,  nämlich  der  l'rau  von
Stael,  welche  aber  durch  Liebe  zu  ihrem  Vater  verblendet
Necker  und  Mirabeau  als  die  Vertreter  des  guten  und  bösen
Princips  bezeichnet,  jenen  mit  Cicero,  diesen  mit  Catilina  zusammenstellt. ­

„Die  Meinung,  sagt  Frau  von  Stael,  die  Meinung,  welche
man  von  seinem  Talente  hegte,  wurde  durch  die  Furcht,  die  seine
Unsittlichkeit  eiullösste,  ausserordentlich  gesteigert,  und  doch
war  es  eben  diese  Unsittlichkeit,  die  den  seinen  erstaunlichen
Fähigkeiten  gebührenden  Einfluss  verminderte.  Hatte  man  ihn  einmal ­
  erblickt,  so  konnte  man  das  Auge  kaum  mehr  von  ihm  abwenden ­
  ;  sein  üppiger  Haarwuchs  zeichnete  ihn  vor  Allen  aus,  und  es
war,  als  ob,  wie  bei  Samson,  seine  Stärke  davon  abhinge.  Seinem
Antlitz  gab  gerade  seine  Hässlichkeit  einen  eigenthümlichen  Ausdruck, ­
  und  seine  ganze  Persönlichkeit  trug  das  Gepräge  einer
regellosen  Macht,  aber  einer  Macht,  wie  man  sie  etwa  einem
Volkstribun  zutraute.”
Von  dem  Werke  Mirabeau’s  über  die  preussische  Staatsverfassung, ­
  sagt  sein  Lebeusbeschreiber:
„Eben  so  scharfblickend  wie  die  Personen  musterte  Mirabeau
die  Ereignisse  und  deutete  sie  manchmal  in  wahrhaft  prophetischem ­
  Geiste;  ausser  den  Zuständen  Preussens,  die  trostlos  erschienen, ­
  denn,  ruft  Mirabeau  aus:  „welches  Loos  steht  einem
Lande  bevor,  das  Pfaffen,  Geisterseher  und  Metzen  als  gute  Beute
betrachten?”  und  den  sich  immer  drohender  gestaltenden  Verwickelungen ­
  in  Holland,  waren  es  vorzüglich  die  Unternehmungen  und
Pläne  Joseph’s  II.,  die  Mirabeau’s  Aufmerksamkeit  in  Anspruch
nahmen,  er  erbot  sich,  als  Kaufmann  verkleidet,  eine  Reise  nach
Osten  zu  unternehmen.  Diesen  Berichten,  die  durch  Vermittelung
des  Herzogs  von  Lauzuu  und  des  Abbe  von  Perigord  an’s  Ministerium ­
  gelangten,  und  zuweilen  der  Königin  vorgelegt  wurden,
fügte  er  mit  unermüdlicher  Thätigkeit  (er  beschäftigte  fortwährend ­
  einen  Secretär  und  mehrere  Schreiber)  manche  Denkschriften
bei,  zu  denen  er  den  Stoff  tlieils  selber  sammelte,  theils  durch
seine  Freunde  sich  zu  verschaffen  wusste;  er  unternahm  Ausflüge
            
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