734
die Klöster wider die Regimenter in Schutz nahm. Nach Frankreich
zurückgekehrt, nahm er die Anträge des französischen Finanzministers
Calonne an, indem er auf Kosten desselben eine
Reihe von Schriften wider den Actienschwindel herausgab und
auch wider die Pariser Wasserleitungs-Gesellschaft schrieb, als
deren Vertheidiger ihm Beaumarchais entgegentrat. In seinen
Erwartungen von Calonne getäuscht, und dessen Rache fürchtend,
begab er sich Ende des folgenden Jahres (1785) mit seiner
neuen Geliebten der Frau von Nehra nach Berlin, wo von
Friedrich II. wohlwollend aufgenommen, er am Tage nach
seiner Audienz ein Schreiben an denselben richtete, in welchem
sein Wunsch vom König angestellt zu werden deutlich ausgesprochen
ist: „Solche Dienste (in der Verwaltung) zu leisten, nicht
aber in Akademien einen müssigen Platz einzunehmen, wäre ohne
Zweifeldas höchste Ziel meines Ehrgeitzes gewesen;” der König
antwortete höflich, aber ohne auf seinen Wunsch einzugehen.
Mirabeau verdarb es mit Friedrich II., indem er in einer
Unterredung bedauerte, dass der König nur Cäsar seines Volkes,
nicht auch zugleich dessen August sein wolle. Der König, ihm
scharf ins Auge blickend, erwiederte : „Ihr wisst nicht, was Ihr
sprecht, gerade dadurch, dass ich mich nicht in die wissenschaftlichen
und schriftstellerischen Angelegenheiten meiner Leute
mischte, glaube ich für sie und die Aufklärung mehr gethan zu
haben, als wenn ich hätte diese erzwingen wollen.” Wir sind nicht
der Meinung des Verfassers der Lebensbeschreibung, dass durch
diese Aeusserung des Königs einer der ihm gemachten Hauptvorwürfe,
nämlich die Literatur seines Volkes vernachlässigt, und
ausschliesslich die französische begünstiget zu haben, entkräftet
werde. Wissenschaften und schriftstellerische Bemühungen gedeihen
vorzüglich durch den Schutz der Regierungen und die Zeit des
schönsten geistigen und künstlerischen Flors fällt in die der Vorliebe
der Herrscher für Wissenschaft und Kunst.
Mirabeau suchte zu Berlin nicht nur den Umgang mit
Staatsmännern, wie Dohm und Herzberg, sondern auch mit
Menschen aller Classen, mit Kriegern, Gelehrten, Künstlern,
Kaufleuten, Fabrikanten und Handwerkern; er trat, durch sein
veröffentlichtes Schreiben über Cagliostro und Lavater in die
Reihen der Streiter für Aufklärung auf die Seite der Männer der