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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Der  Verfasser  hat  die  sich  in  dem  eben  angeführten  Schlüsse
seines  Vorwortes  Vorgesetzte  Aufgabe  glücklich  gelöset,  indem  er
das  von  ihm  aufgestellte  Bild  in  dem  Dreischeine  des  Menschen,
Schriftstellers  und  Staatsmannes  beleuchtet  und  die  diese  dreifache
Ansicht  erhellenden  Strahlen  in  Lichtbündel  zusammenfasset,
welche  eben  so  viele  Brennpuncte  des  Geistes  sind;  er  trennt
diese  Darstellung  nicht,  sondern  wie  im  Leben  Mirabeau’s
der  Mensch,  der  Schriftsteller,  der  Staatsmann  und  der  Redner
ineinandergriffen,  so  läuft  die  Darstellung  auch  hier  nebeneinander
fort,  so,  dass  aus  ihrer  Verschmelzung  das  lebensbeschreibende
Bild  eines  grossen  Schriftstellers,  eines  grossen  Staatsmannes,
eines  grossen  Redners,  aber  nicht  das  eines  grossen  Menschen  hervorgeht. ­
  Das  Bild  des  Menschen  würde  zu  Ehren  der  beiden  anderen ­
  Standbilder  am  besten  verhüllet  bleiben,  wenn  es  nicht  die
Pflicht  der  unerbittlichen  Geschichte  wäre,  auch  diesen  Schleier
zu  lüften;  masslose  Ausschweifungen,  gränzenlose  Verschwendung, ­
  Verführung  und  Frauenraub,  politischer  Wankelmuth  und
Käuflichkeit  können  eben  so  wenig  vor  den  Augen  der  Nachwelt
als  denen  der  Mitwelt  gerechtfertiget  werden.
Die  Verirrungen  seiner  Jugend  biisste  Mirabeau  durch  Verbannung ­
  und  Gefängniss,  durch  Verbannung  nach  den  Inseln  Rlie
und  Corsica  und  der  Stadt  Manosque,  durch  Gefängniss
in  den  Vesten  von  Saint  Joux,  von  If  und  endlich  im  Zwinger
von  Vincennes;  seine  literarische  Thätigkeit  begann  er  durch
die  Strenge  seines  Vaters  und  die  von  diesem  wider  ihn  erwirkten ­
  Verhaftbefehle  aufgereizt,  mit  seinem  Essai  sw  le  despoiisme
  und  dem  sur  les  lettres  de  cacliet.
Mit  seiner  Geliebten,  Sophie,  die  er  ihrem  Gemahle  Herrn
von  Monnier  entführt,  und  mit  ihr  unter  fremdem  Namen  nach
Holland  entflohen,  gewann  er  dort  seinen  Lebensunterhalt  als
Uebersetzer  aus  dem  Englischen,  als  der  der  Elegien  T  i  b  u  11  s  ,
der  Küsse  des  Johannes  Secundus  und  als  der  Verfasser  zweier
unfläthiger  Werke,  ma  conversion  und  erotica  biblion,  zu  welchem ­
  letzten  er  die  Bibel  nur  benützte,  um  daraus  Gift  zu  saugen.
Später  in  Holland  entdeckt,  aufgehoben,  nach  Vincennes  geschafft
und  von  seiner  Geliebten  getrennt,  begann  er  mit  dieser  den  berühmten ­
  Briefwechsel,  welchen  die  Nachsicht  des  Polizeilieutenants
Le  Noir  gestattete  und  die  jedem  Zartgefühl  fremde  Gewissen-
            
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