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läufer des Don Quijote — als eine Parodie der damals herrschenden
Sucht Chroniken zu schreiben, und seihst der Manie des Kaisers,
Hof-Chronisten anzustellen, zu betrachten sei. Denn es ist bekannt,
dass Carl V. eine namhafte Anzahl solcher officieller Chronisten
ernannte (s. in Ticknor’s vortrefflicher „History of Spanish Literature”,
das Cap. VI. des ersten Theiles, über diese Chronisten,
in der Ausg. von New-York, 1849. 8., besonders pag. 554—555),
und es ist auffallend, wie unser lustiger Chronist seine ernsten Vorbilder,
ihren gravitätischen Styl, ihre pedantischen Citate, ihre Anführungen
lateinischer Originalstellen, ihre oft gesucht genug herbeigezogenen
Parallelen aus dem classischen Alterthum u. s. w. parodirt;
ja selbst seine eingeschobenen Briefe scheinen eine Parodie
der damals viel gefeierten des Petrus Martyr de Angleria und des
Antonio de Guevara zu sein, von welchen er den letzteren mehrmals
namentlich anführt, und auch über seinen „Marcus Aurelius”
Witze macht.
Unter diesen Briefen enthalten freilich die meisten nur ganz
plattes Geschwätz der Antichambre und possenhafte Anspielungen
auf die Chronique scandaleuse der llofleule; doch ist einer darunter,
der erste an den Papst Clemens VII. (nach Cap. 24), sowohl durch
die gut durchgeführte Ironie als auch durch die scharfe Satyre auf
die römische Curie und durch die, selbst die furchtbarsten Waffen
der Kirche, Baun und Interdict, nicht schonende Parodie so merkwürdig
, dass ich ihn zugleich als Beweis, dass die Spanier den
Katholicismus, der auf das innigste mit ihrem Nationalcharakter
verschmolzen war, doch scharf von dem Ultramontanismus, die
Religion und Kirche von Papst und Clerisei zu trennen wussten,
in der Beil. B ganz mitgetheilt habe.
In der Chronik berichtet er dieThaten des Kaisers immer mit
achtungsvollem, ja panegyrisch überschwenglichem Ernst *), und
erlaubt sich nie, über ihn oder die Glieder seiner Familie Spottvergleiche
zu machen. Dafür aber übt er sein Amt um so ungezügelter
an Allen vom Kaiser abwärts, eingedenk des alten spanischen
1) Unter den ernsthaft erzählten Thatsaclien sind mir keine, nicht auch aus
anderen Quellen bekannte aufgestossen, und ich bemerke nur, um nicht
unter der Rubrik des Cap. XIII. etwa eine ernste Verschwörung zu suchen,
dass es auch einen Spass, nämlich eine Verschwörung der erstgebornen
Söhne der Majoratsherren gegen ihre zu lange lebenden Väter, enthalte.