Wissenschaft betrieb, sammelte nicht bloss eine bedeutende Anzahl
von Geschichten und Chroniken, theilweise selbe eigenhändig copirend
für seine reichhaltige Bibliothek, sondern auch eine Menge
von Flugschriften, von einzelnen Briefen und Actenstücken; seine
in dieser Beziehung für Geschichte und Literatur äusserst ergiebige
Bibliothek ward später der Münchner Hofbibliothek einverleibt.
Eine dieser Handschriften habe ich vollständig benützt und ich theile
ihren reichen Inhalt in Nr. 10 der Beilage III möglichst vollständig
mit. Für Literatur- und Culturgeschichte steckt ungemein viel
darin, ich habe aus Mangel an Zeit nur 21 Nummern daraus vollständig
copirt, meist solche Stücke und Notizen, die meiner speciellen
Ansicht am wichtigsten erschienen. Andere mögen sich
anderes herausschöpfen, den Inhalt habe ich vollständig verzeichnet.
—
Ueberhaupt wird eine spätere Generation, wenn einmal die
Schätze der Bibliotheken und Archive allgemein zugänglich und
bekannt sein Werden, von einer Geschichte des Mittelalters
ganz besondere Berücksichtigung der C ultur- und Sittengeschichte
fordern. Nicht wird die einseitige Darstellung der p olitischen,
äusseren Veränderungen genügen, man wird das ganze
innere Leben der Nationen und Völker in seinen Sitten, Gewohnheiten,
Gebräuchen, Ansichten und Vorurtheilen kennen lernen
wollen. — Die Aufgabe des Geschichtschreibers wird eine umfassende
sein. —■ Darum sind besonders jene Documente, Actenstücke
und Aufzeichnungen aufzusuchen und zu berücksichtigen, welche
dieses innere Volksleben, seine Religion, sein Recht, seine
Sitte, seinUrtheil abspiegeln.
Wie charakteristisch und aufschlussreich zum Beispiele Volkslieder
und populäre Darstellungen gewisser hervorragender
Begebenheiten sind, möge ein Bänkelsängerlied in dreissig
achtzeiligen Strophen beweisen, welches ich in dem schon angeführten
Codex germ. monacensis Nr. 1113, aus der Stadtbibliothek
von Regensburg stammend, gefunden habe. Es wurde gemacht,
als der zwölfjährige Ladislaus P. seinem Vormund K.
Friedrich auf gewaltthätige Weise abgedrungen war und nun als
selbstständiger (?) Herr und Regent der Lande Ungern, Böhmen,
Mähren, Schlesien, Oesterreich ob und unter der Enns etc. in
Wien eingezogen war unter dem Jubel der Bevölkerung. —