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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

Das  dritte  Actenstiick  (9.  in.)  ist:  „Propositio  Gregorii  coram
„Sanctissimo  domino  Eugenio  papa  quarto.”
Der  bekannte  Gregor  von  Haiinburg  war  der  Redner
der  ersten  Gesandtschaft,  welche  von  den  deutschen  Reichsständen
1446  nach  Rom  geschickt  worden,  um  mit  Papst  Eugen  IV.  wegen
seiner  Anerkennung  zu  unterhandeln.  —  Was  derselbe  im  Namen
seiner  Collegen  und  eigentlich  im  Namen  der  Vollmachtgeber
(der  Churfürsten  etc.)  vorgebracht,  ist  jedenfalls  von  grosser
Wichtigkeit,  um  so  mehr,  als  wir  den  Mann  noch  viel  zu
wenig  kennen  und  sein  Gegner  Aeneas  Sylvius,  der  damals
schon  eine  ganz  andere  Richtung  eingeschlagen  hatte,  die  ihm  jedenfalls ­
  erspriesslicher  schien,  über  ihn  höchst  unvortheilhafte  Aeusserungen
  fallen  lässt.  —  Er  schildert  ihn  in  seiner  Geschichte  K.
Friedrichs  (p.  123)  wie  folgt:  „Gregor  war  ein  schöner  Mann,  von
„hervorragender  Gestalt  und  heiterem  Antlitz,  mit  leuchtenden
„Augen  und  kahler  Stirne;  doch  kannte  er  keine  Mässigung  weder
„in  seinen  Bewegungen  noch  in  seiner  Sprache,  er  war  eigensinnig,
„hörte  auf  Niemand,  lebte  nur  sich  und  seinen  Gewohnheiten,  zog
„in  allen  Dingen  frei  zu  sein  vor;  höchst  vernachlässigt  in  seinem
„Aeussern,  ohne  alle  Rücksicht,  ein  cynisches  Leben  preisend”  ‘).
„Er  hielt  eine  Rede  voll  Anmassung”  (arrogantia  plenam).
Hier  ist  sie  nun,  diese  anmassende  Rede,  welche  doch  nicht
gar  so  arg  sein  dürfte.  —  Jedenfalls  ist  es  gut,  wenn  man  selbst
urtheilen  kann  und  nicht  aus  fremden  Augen  sieht.
Ihr  folgen  die  drei  Puncte,  welche  dem  Papste  vorgelegt
wurden,  als  Präliminar-Bedingungen  der  Unterwerfung  der  deutschen ­
  Nation,  sammt  der  vom  Papste  darauf  ertheilten  Antwort.
Die  am  22.  September  1446  zu  Frankfurt  von  den  Gesandten  des
römischen  Königs  und  mehrerer  deutschen  Reichsfürsten  abgeschlossene ­
  Uebereinkunft  zu  gemeinschaftlichen  Schritten  in  der
Kirchenfrage  war  zwar  schon  bekannt  aus  dem  Abdrucke  bei
Würdtwein,  dürfte  jedoch  wegen  Abweichung  in  der  Textirung

„Fuit  autem  Gregorius  pulcro  corpore,  statura  imminenti,  facie  laeta,  illn-„strioribus
  ocatis,  capite  calvo,  sed  neque  linguae  neque  motibus  tempe-„rans,
  sui  cerebri,  nulli  auscultans,  suorum  moruin  ,  sibi  vivens,  in  omni
„re  iiberiatem  praeferens,  obscoeno  cultu,  nihil  verecundiae  habens,  cini-„cam
  vitara  commendans’’.
            
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