Das dritte Actenstiick (9. in.) ist: „Propositio Gregorii coram
„Sanctissimo domino Eugenio papa quarto.”
Der bekannte Gregor von Haiinburg war der Redner
der ersten Gesandtschaft, welche von den deutschen Reichsständen
1446 nach Rom geschickt worden, um mit Papst Eugen IV. wegen
seiner Anerkennung zu unterhandeln. — Was derselbe im Namen
seiner Collegen und eigentlich im Namen der Vollmachtgeber
(der Churfürsten etc.) vorgebracht, ist jedenfalls von grosser
Wichtigkeit, um so mehr, als wir den Mann noch viel zu
wenig kennen und sein Gegner Aeneas Sylvius, der damals
schon eine ganz andere Richtung eingeschlagen hatte, die ihm jedenfalls
erspriesslicher schien, über ihn höchst unvortheilhafte Aeusserungen
fallen lässt. — Er schildert ihn in seiner Geschichte K.
Friedrichs (p. 123) wie folgt: „Gregor war ein schöner Mann, von
„hervorragender Gestalt und heiterem Antlitz, mit leuchtenden
„Augen und kahler Stirne; doch kannte er keine Mässigung weder
„in seinen Bewegungen noch in seiner Sprache, er war eigensinnig,
„hörte auf Niemand, lebte nur sich und seinen Gewohnheiten, zog
„in allen Dingen frei zu sein vor; höchst vernachlässigt in seinem
„Aeussern, ohne alle Rücksicht, ein cynisches Leben preisend” ‘).
„Er hielt eine Rede voll Anmassung” (arrogantia plenam).
Hier ist sie nun, diese anmassende Rede, welche doch nicht
gar so arg sein dürfte. — Jedenfalls ist es gut, wenn man selbst
urtheilen kann und nicht aus fremden Augen sieht.
Ihr folgen die drei Puncte, welche dem Papste vorgelegt
wurden, als Präliminar-Bedingungen der Unterwerfung der deutschen
Nation, sammt der vom Papste darauf ertheilten Antwort.
Die am 22. September 1446 zu Frankfurt von den Gesandten des
römischen Königs und mehrerer deutschen Reichsfürsten abgeschlossene
Uebereinkunft zu gemeinschaftlichen Schritten in der
Kirchenfrage war zwar schon bekannt aus dem Abdrucke bei
Würdtwein, dürfte jedoch wegen Abweichung in der Textirung
„Fuit autem Gregorius pulcro corpore, statura imminenti, facie laeta, illn-„strioribus
ocatis, capite calvo, sed neque linguae neque motibus tempe-„rans,
sui cerebri, nulli auscultans, suorum moruin , sibi vivens, in omni
„re iiberiatem praeferens, obscoeno cultu, nihil verecundiae habens, cini-„cam
vitara commendans’’.