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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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sonders  aber  war  die  Kaiserin  Maria  Theresia  auf  den  innigsten
Verband  mit  Deutschland  angewiesen.
Die  Kriege  mit  Baiern  und  Preussen  nöthigten  Oesterreich,
mit  einzelnen  Reichsständen  theils  Neutralitätsverträge,  theils
Hilfsbündnisse  einzugehen,  und  da  die  Aussicht  die  Kaiserkrone
zu  erwerben,  desshalb  weder  gänzlich  verschwunden  noch  aufgegeben ­
  war,  weil  i.  J.  1742  ein  Fürst  aus  einem  andern  Hause  den
deutschen  Thron  bestieg,  so  hatte  Maria  Theresia  persönlich  das
höchste  Interesse,  fest  an  Deutschland  zu  halten.  Während  sich  das
Wiener  Cabinet  alle  Mühe  gab,  Freunde  unter  den  Reichsfürsten  für
die  von  allen  Seiten  gefährdete  Sache  Oesterreichs  zu  gewinnen,
kann  es  unmöglich  gleichzeitig  einer  Seitwärtsstellungspolitik  gefolgt ­
  sein,  oder  auch  nur  mit  der  Idee  daran  sich  getragen  haben.
Was  man  bei  Gefahren  des  Unterganges  mit  sich  und  seiner
Habe  macht,  das  gibt  der  entscheidende  Moment  ein;  dass  aber
Schutzbedürftige,  denen  es  mindestens  um  Rettung  der  Trümmer
ihres  Eigenthums  zu  thun  sein  wird,  statt  sich  Beistand  zu  verschaffen, ­
  wo  er  am  nächsten  und  natürlichsten  zu  haben  ist,  ihn
gerade  hier  absichtlich  von  sich  stossen  werden,  ist  eine  ungereimte ­
  ,  auf  die  deutsch-österreichische  Politik  unter  M.  Theresia
und  Kaunitz  vernünftigerweise  nicht  anwendbare,  und  auch  nicht
nachzuweisen  mögliche  Politik.
Die  Behauptung,  Oesterreich  sei  damals  zum  erstenmale
dem  Reiche  feindlich  gegenüber  gestanden,  ist  falsch,  denn  der
Krieg  mit  Baiern  und  Preussen  war  kein  Reichskrieg.  Das
Verhältniss  Oesterreichs  zum  deutschen  Reiche,  worüber  Herr
Kink  sich  hei  M  a  i  1  ä  t  h  und  Carl  Albert  Menzel  Raths  erholen
mag,  war  zur  Zeit  der  Kaiserin  M.  Theresia  zuverlässig  günstiger
als  zur  Zeit  Ferdinands  II.,  doch  war  das  Reich  seinem  Verfalle
damals  schon  weit  entgegen  geschritten,  nicht  durch  die  Schuld
der  Kaiser,  sondern  der  deutschen,  nach  Unabhängigkeit  strebenden
Fürsten.  Wessen  man  also  jene  zeiht,  dessen  sind  diese  anzuklagen, ­
  theils  weil  es  sich  thatsächlich  so  verhält  ,  theils  weil
einiges  Nachdenken  Jeden  zur  Ueberzeugung  bringen  muss  ,  dass
dieses  Unabhängigkeitsstreben  nur  bei  den  Reichsständen,  die
glaubten  davon  Vortheil  zu  haben,  nicht  aber  bei  den  Habsburgern
bestehen  konnte,  die  mit  dem  Verluste  der  Kaiserwürde  an  Macht
und  Ansehen  verlieren  mussten.
            
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