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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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eine  grössere  Centralisation  im  Innern  und  eine  selbstständige  äussere ­
  Politik  nöthig.  Diese  und  eine  Art  von  Sonderstellung,
Deutschland  gegenüber,  bezweckte  und  erreichte  Kaunitz  durch
Herstellung  der  Staatskanzlei.  Seitdem  gab  es  nur  mehr  eine
österreichische  und  preussische  Politik:  das  übrige  Deutschland
bildete  nur  mehr  die  Masse,  den  Ballast,  für  das  Gleichgewicht
beider  Staaten.  Offen  ausgesprochen,  heisst  es  endlich,  habe  diese
Lostrennungspolitik  Joseph  II.  bei  der  Zusammenkunft  mit  Friedrich ­
  II.  zu  Neisse,  wo  er  gesagt  haben  soll:  Sire,  nehmen  Sie  den
Norden,  ich  nehme  den  Süden.  Im  Jahre  1804  und  1806,  habe  diese
Politik  ihr  Ziel  durch  die  Declaration  Oesterreichs  zum  Kaiserthume
  erreicht.  Aus  dieser  geschichtlichen  Deduction  wird
sodann  der  Schlussatz  gezogen  und  so  hingestellt:  „Tirol  wurde
„durch  die  von  Oesterreich  angenommene  Seitwärtsstellung
„Deutschland  offenbar  entfremdet,  was  auch  dadurch  bewiesen ­
  werde,  dass  der  Sprachgebrauch  das  Reich  erst  jenseits
„der  österreichischen  Gränzen  beginnen  liess”
Es  genügte  zu  sagen,  von  dieser  Seitwärtsstcllungs-  und  Lostrennungspolitik ­
  haben  weder  Max  I.  noch  Carl  VI.  noch  Maria
Theresia  und  Kaunitz  geträumt,  geschweige  dass  sie  selbe  angenommen ­
  und  ihr  Folge  gegeben  hätten.  Inzwischen  sollen  hier
doch  die  innern  Widersprüche  dieser  Ansichten  hervorgehoben
werden.  Max  I.  strebte  allerdings  gleich  andern  deutschen  Fürsten ­
  seine  Hausmacht  zu  vergrössern,  musste  dabei  aber  auch  Sicherung: ­
  seiner  Erwerbungen  wünschen.  Der  Tausch  der  Kaiserkröne
  mit  einer  kaiserlich-österreichischen  Erbkrone  hätte  ihn
in  einen  Krieg  mit  Deutschland  verwickelt,  weil  die  Erblande
Reichslehen  waren.  Selbst  aber  den  Fall  einer  Duldung  dieser
Verluste  angenommen,  hätte  Max  mit  dem  Verzicht  auf  die  Kaiserkrone ­
  und  die  Abtrennung  seiner  Länder  von  Deutschland,  nicht
allein  die  Garantie  für  ihren  ungeschmälerten  Besitz  verloren,
sondern  sich  selbst  in  dem  losgetrennten  Deutschland  eine  feindliche, ­
  ihm  weit  überlegene  Macht  geschaffen,  die  ihn  und  seine
Descendenz  um  den  Besitz  der  eigenen  Länder  bringen  konnte.
In  gleicher  Lage  befanden  sich  seine  Nachfolger  alle,  ganz  be-!

 )  Kink.  Akad.  Vorlesungen.  S.  11.  12.  13.  Note.
            
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