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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

3S2
In  den  Stipulationen  dieser  Urkunde  liegt  der  factische  Beweis ­
  vor,  dass  Trient  in  den  vorigen  Jahrhunderten  nicht  das  geringste ­
  Verlangen  einer  Vereinigung  mit  Italien  hegte,  sondern
fest  gegen  die  diessfalls  von  Rom  ausgegangenen  Anmuthungen  sich
verwahrte.  Wenn  in  unsern  Tagen  solche  Wünsche  laut  wurden
und  bis  zu  beklagenswerten  Verirrungen  sich  steigerten,  so  kann
man  ohne  Verstoss  gegen  die  historische  Treue,  dieses  Verlangen
nicht,  wie  gezeigt,  auf  frühere  Zeiten  zurückdatiren,  noch,  nachdem ­
  es  gar  nicht  bestand,  der  österreichischen  Politik  ein  Widerstreben ­
  gegen  dasselbe  zur  Last  legen.  Heutzutage  ist  dieses  Verlangen ­
  durch  den  die  Köpfe  erhitzenden  Wahn:  die  Tridentiner
seien  die  Stammväter  der  aus  den  Alpen  nach  Italien  gewanderten
Etrusker,  künstlich  hervorgebracht,  und  nebstdem  ist  dieses  Verlangen ­
  durch  die  Behauptung  gesteigert,  dass  jene  südlichen  Landestheile
  von  jeher  zu  Italien  gehört  haben.  Damit  steht  die  seit
langem  planmässig  betriebene  und  vollständig  gelungene  Verdrängung ­
  des  deutschen  Elements  in  Verbindung.
Andere  aus  geschichtlicher  Grundlage  hergeleitete  falsche
Behauptungen  der  neuesten  tirolisclien  Geschichtschreibung  werden
auf  dem  nämlichen  Wege  zurückzuweisen  sein.  Man  gibt  vor,
Tirols  Verbindung  mit  Oesterreich  habe  zur  Entfremdung  dieses
Landes  von  Deutschland  geführt,  weil  Oesterreich  schon  zur  Regierungszeit ­
  der  Kaiserin  Maria  Theresia  eine  Trennungspolitik
von  Deutschland  einschlug.  Hören  wir,  womit  diese  Behauptung
geschichtlich  zu  begründen  versucht  wird:  Erstlich  wieder  mit
Maximilian  I.  dessen  beispiellose  Erwerbungen,  heisst  es,  ihm  eine
Ausnahmsstellung  gegenüber  allen  deutschen  Staaten  und  eine
selbstständige  Politik  aufdrangen.  Dann  durch  die  pragmatische
Sanction,  die  ursprünglich  dynastische  Rücksicht  war,  bald  hernach ­
  aber  Staatsrücksicht  wurde.  Ferner  durch  die  Wahl  des
Kurfürsten  Carl  Albert  zum  deutschen  Kaiser,  wodurch  Oesterreich ­
  zum  ersten  Male  diesem  und  dem  Reiche  feindlich  gegenüber ­
  stand.  Damals,  wird  behauptet,  musste  das  Wiener  Cabinet
auf  den  Gedanken  kommen,  das  ganze  mixtum  compositum  des
österreichischen  Staatencomplexes  zu  einem  für  sich  bestehenden
Ganzen  enger  zu  verbinden  und  von  Deutschland  s  eitw T ärts  zu
stellen,  um  diese  Länder  für  alle  Fälle  zur  unbedingt
eigenen  Disposition  sich  vorzu  behalten.  Dadurch  wurde
            
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