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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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sehen,  «lern  Franzosenjoche  beharrlichen  Widerstand  leistenden
Politik.  Selbstständig  geblieben,  hätte  Tirol  diese  grosse  Aufgabe
nicht  zu  lösen  vermocht,  als  Bestandteil  eines  andern  deutschen
Staates  aber  hätte  es  die  Schmach  erlitten,  Glied  des  Rheinbundes
und  Vasall  von  Frankreich  zu  sein.
Es  ist  in  dem  obenangeführten  historisch-politischen  Räsonnement ­
  des  neuesten  tirolischec  Geschichtschreibers  auch  die  Rede
von  dem  bedauerlichen  Schicksal  der  Bisthümer  Brixen  und  Trient,
nämlich  davon,  dass  beide  „ganz  an  Tirols  Politik  gebannt  und
„namentlich  den  Beziehungen  Trients  zu  Italien  jeder  Faden  abge-„schnitten
  wurde”.  Dieser  Vorwurf  ist  grundlos,  weil  er  sachund
  geschichtswidrig  ist.  Brixens  und  Trients  Beziehungen  zu
Tirol  waren  von  der  örtlichen  Lage  bedingt.  Dadurch  entstand
zwischen  jenen  geistlichen  Fürstenthümern  und  diesem  Lande  eine
Interessengemeinsamkeit  in  den  inneren  Verhältnissen  und  nach
aussen,  denen  gemäss  Oesterreich  sie  Dicht  aneinander  zu  „bannen”
brauchte;  Gebote  der  Nothwendigkeit  fesselten  sie  auf  die  natürlichste ­
  Weise.  Trient  und  Brixen  waren  üble,  rivalisirende  Nachbarn, ­
  so  lange  Tirol  sie  nicht  an  Kräften  und  Widerstandsfähigkeit
überbot.  Bei  seinem  Wachsthume  hingegen  und  bei  deni  durch  die
Verbindung  mit  Oesterreich  erstrebten  Lebergewicht  gab  es  für
sie,  Tirol  gegenüber,  nur  noch  eine  Friedens-  und  Freundschaftspolitik, ­
  auf  welche  ihre  eigene  Erhaltung  sie  anwies.  So  kleine  Ländchen
  wie  diese  geistlichen  waren,  und  selbst  grössere  als  sie,  sind
übrigens  nicht  in  der  Lage,  eine  eigene  selbstständige  Politik  zu
verfolgen;  desshalb  kann  weder  ihnen  noch  Tirol  ein  Vorwurf
gemacht  werden,  dass  sie  in  allen  Fragen  der  Politik  Hand  in  Hand
gingen.  Es  ist  aber  auch  die  Voraussetzung  irrig,  dass  Trient  zu
Italien  in  engeren  Beziehungen  stehen,  und  von  Deutschland  getrennt
sein  wollte.  Das  entschiedenste  Gegentheil  derselben  ist  bei  Bone'li
  Mon.  eccl.  Trid.  III.  II.  p.  169.  zu  finden,  der  Bischof  Udalrichs
  Forderung  an  Rom  mittheilt,  nämlich:  1*  Uta  romana  curia
secusacusquefactum,  eadem  Trid.  ecclesia.  tarn  quam  Imperii
membrum,  habeatur,  rt  secandum  concordata  Germanioe  reguletur.
  2°  Ut  etiam  Canonici  Itali  esse  debeant  Imperiales,  vel  Austriaci.
  3°  Ut  electio  Decani  de  more  aliarum  ecclesiarum  penes
rapiiulum  resideat,  utque  ex  Germanis  seligi  debeat,  nec
von  capituli  Praepositus  ex  Capilularibus  adsumatur.
            
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