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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Periode  sowohl  angestrebt  als  erreicht  worden  war,  da  sie  eben  so
wenig  dem  „armen  Conrad  als  dem  reichen  Adel"  Concessionen
machten,  während  der  erste  in  Tirol  herrschende  Habsburger,
Rudolph  IV.,  als  ein  anderer  Joseph  II.bekannt  ist,  in  Friedrich  IV.
ein  grosser  Volksfreund  erwachsen  war,  und  endlich  Kaiser  Max  1.
es  war,  der  jener  beklagten  Vielherrschaft  fehdesüchtiger  Dynasten
ein  Ende  zu  machen  und  verbürgte  Rechtszustände  herzustellen
verstand.
Was  jeden  Tiroler  zu  Dank  gegen  die  Dynastie  Habsburg
verpflichten  muss,  die  allein  von  ihrer  Gunst  herrührende  Territorialvergrösserung,
  wodurch  Tirol  seinen  dermaligen  Umfang
erhielt,  kann  nicht  Gegenstand  einer  auf  unbeschränktes  Gewaltstreben ­
  gerichteten  Anklage  sein,  oder  dafür  als  Beweismittel  gebraucht ­
  werden.  Tirol  erwarb  durch  die  Machtfülle  seiner  selbstständigen ­
  Regenten  nichts;  aber  die  Habsburger  brachten  ihm
Gebiete  zu,  wodurch  es  fast  um  zwei  Drittheile  grösser  wurde,  als
es  zur  Zeit  der  österreichischen  Erwerbung  war.  Sie  vereinigten
die  Vorlande  mit  Tirol,  sie  erwarben  ihm  die  Gerichte  Rattenburg,
Kufstein  und  Kitzbühel,  sie  vergrösserten  es  mit  dem  von  Kärnthen
■zu  seinen  Gunsten  abgerissenen  Pusterthal,  und  mit  Roveredo  und
den  vier  Vicariaten.  Nicht  minder  günstig  erwies  sich  die  neue
Dynastie  diesem  Lande.  Sie  vereinigte  die  ansehnlichen  Gebiete
der  secularisirten  Bisthümer  Trient  und  Botzen,  und  Parzellen  von
Salzburg  mit  demselben.  Es  ist  nicht  wahrscheinlich,  dass  die
Tiroler-Grafen,  hätten  sie  fortgeblüht,  diese  Erwerbungen  zu
machen  fähig  gewesen  wären,  auch  von  dem  Hause  Habsburg  wären
sie  vielleicht  nicht  alle  gekommen,  wenn  es  nicht  seit  4(MI  Jahren
die  deutsche  Kaiserwürde  behauptet  hätte.  Es  ist  also  für  Tirol
kein  Nachthei!  sondern  ein  grosser  Vortheil,  dass  es  sich  dem  mächtigsten ­
  Nachbar  verband,  zumal  die  Behauptung  seiner  Selbstständigkeit ­
  während  der  zu  Anfang  des  16.  Jahrhunderts  hereingebrochenen ­
  und  bis  in  unsere  Tage  gewährten  Stürme  und  gewaltsamen ­
  Staatsveränderungen,  wenig  wahrscheinlich  ist.  Ein
Schweizer-Canton  zu  werden  ,  oder  eine  baierische  Eroberung,
siand  mehr  als  einmal  bevor.  Selbst  die  politische  Bedeutung,  zu
der  Tirol  im  Befreiungskriege  sich  erschwang,  und  den  für  seine
heldenmüthige  Widerstandsbeharrlichkeit  geernteten  Ruhm,  dankt
es  eben  nur  der  Verbindung  mit  Oesterreich  und  seiner  ächtdeut-
            
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