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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Inhalt  als  der  ist  den  sie  haben,  und  einen  andern  Geist  als  der
ist,  in  dem  sie  abgefasst  sind,  voraussetzt.
Eine  Vergleichung  geschichtlicher  Thatsachen  der  gerühmten
Feudalepoche  mit  denen  der  nächstfolgenden,  von  Max  I.  bis  auf
unsete  Tage,  würde  zeigen,  dass  Tirol  von  der  absoluten  Gewalt
früher  ungleich  mehr  als  später  gelitten,  und  mehr  unter  den
selbstständigen  Herrschern  dieses  Landes  als  unter  den  Habsburgern ­
  seit  Max  I.  So  verwüstende  Fehden,  wie  Mainhard  II.  sie  bis
an  sein  Lebensende  gegen  die  Kirche  und  den  Adel,  bloss  aus
Herrschbegierde  und  Vergrösserangssucht  zum  Verderben  der
untern,  von  jenen  abhängigen  Classe,  ohne  Abbruch  von  irgend
einer  Seite  fortführen  tonnte,  sind  in  der  zweiten  Epoche  niemals
da  gewesen.  Kein  Habsburger  hatte  nöthig  auf  dem  Sterbebette
zur  Erleichterung  seines  Gewissens  ein  dem  Wortlaute  des  Mainhard'schen
  Testaments  ähnliches  Bekenntniss  zu  machen,  Zusagen:
Jtem  voluit  et  ordinavit  idem  Dom.  Testator,  quod  de  bonis  suis
universaliter  omnia  male  ablata  et  indebite  acquisita  omnino
restituantur,  juxta  graciam,  pieiatem  et  misericordiam  illorum,
quos  offendisset,  vel  de  bonis  ipsorum  minus  rite  accepisset,
sive  fuerunt  possessiones,  debita,  municiones,  castra,  fortalicia,
  vel  alia  bona,  quocunque  nomine  dicipossunt,  ubique  locorum,
  in  Episcopatu  Tridentino,  vel  alibi  posita,  etc.
Jene  masslose  Verschleuderung  von  Staatsgütern  und  Einkünften, ­
  die.  Margaretha  Maultasche  an  ihren  Günstlingen  geübt
erneuerte  in  der  zweiten  Epoche  sich  ebenfalls  nicht.  Sollte  dies >
nicht  Wirkung  der  Gesetzlichkeit  sein,  in  dessen  Geleise  das
Staatsleben  seit  Max  I.  sieh  bewegte,  und  sollte  zur  Besserung  der
früheren  Verhältnisse  nicht  wesentlich  „der  Nimbus  der  Kaisergewalt” ­
  beigetragen  haben,  der  den  tirolischen  Landesfürsten
umgab  ?
Die  Ansicht,  dass  den  Interessen  Tirols  durch  die  Vereinigung
der  Grafenkrone  mit  der  deutschen  Kaiserkrone  auf  einem  und
demselben  Haupte,  Abbruch  geschehen  sei,  ist  neu.  und  wohl  noch
jenseits  Oesterreich  von  keinem  Geschichtschreiber  eines  fremden
zur  deutschen  Krone  gelangten  Regentenhauses  gemacht  worden.
Begründet  ist  sie  aber  dann  sogleich  und  vortrefflich,  wenn  man
an  die  Stelle  Landesinteressen,  adeliche  und  klerikale,  setzt,
denn  jene  Corporationen  büssten  allerdings  beim  Sturz  des  Feu-
            
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