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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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ermüdend,  sondern  alle  Momente  systemmässig  benützend,  sei  es
gelungen,  zuletzt  das  angestrebte  Ziel  absoluter  Gewalt  zu
erreichen.  Dieser  zweite  Zeitabschnitt  sei  eine  Periode  der  Rea
  ction  zu  nennen,  weil  das  Bestreben  des  Landesherrn  nach  unbeschränkter ­
  Gewalt  das  Reagens  gewesen,  welches  jener  Zeit  die
eigenthümliche  Färbung  gab.  Dadurch  nun  sei  der  Unterschied  des
Staatszustandes  der  drei  letzten  Jahrhunderte  von  der  frühem  Zeit
gegeben.  Jetzt  habe  das  Volk  seine  Geschichte  ausderFürsten-Hand
empfangen,  vorher  habe  es  sich  dieselbe  selbst  gegeben.
Historisch  nachgewiesen  wird  die  Richtigheit  dieser  Auschauung
  durch  die  Erwerbungen  der  drei  unterinnthalischen  Gerichte,
des  Pusterthals  und  Roveredo’s  mit  den  vier  Vicariaten,  wodurch,
heisst  es,  „das  Schicks  al  der  Bisthümer  Trient  und  Bri-„xen
  ganz  an  die  Politik  Tirols  gebannt  und  namentlich ­
  den  Beziehungen  Trient’s  mit  Italien  jeder  Fa-„den
  abgeschnitten  wurde.”
Seit  Max  I.,  heisst  es  weiter,  begann  die  eigentliche  österreichischs-habsburgische
  Politik,  nun  erst  wurde  Tirol  eine  Provinz
Oesterreichs.  An  dieser  Stellung  veränderte  die  Gestattung  eigener
tirolisclier  Landesfürsten  im  16.  Jahrhundert  nichts,  denn  diese
waren  de  facto  bloss  erbliche  Statthalter.  Es  kam  kein  Fall  vor,
dass  diese  Tiroler-Landesfürsten  je  einer  andern  als  der  gemeinsamen ­
  Politik  des  Hauses  Habsburg  gefolgt,  oder  etwa,  dass  sie
feindlich  gegen  sie  aufgetreten  wären.  Seit  1663  endlich  wurde
und  blieb  Tirol  auch  dem  Namen  nach  eine  österreichische  Provinz 1 ).
Das  Unrichtige  dieses  historisch-politischen  Räsonnements
liegt  zunächst  darin,  dass  man  vorgibt,  der  am  Ende  des  Mittelalters ­
  in  den  staatlichen  Verhältnissen  eingetretene  Umschwung  in
ganz  Europa  sei  in  Tirol  bloss  das  Werk  und  die  Erfindung  Maxi,
gewesen.  Eine  solche  den  beengten  provinziellen  Standpunct  verrathende
  Auffassung  ignorirt  ganz  den  Gang  der  Weltbegebenheiten
und  die  Geschichte  der  neueren  Staatenbildung.  Wer  da  weiss,
dass  Europa  in  der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  sich  überall,
den  Norden  ausgenommen,  regenerirte,  die  alte  verbrauchte  Feu-*)

  Kink,  Akademische  Vorlesungen  über  die  Geschichte  Tirols.  1.  Bd.  1.  Note,
S.  16,  17,  IS,  1».
            
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