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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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gene  Untersuchung  hätte  zu  dem  Ergebnisse  führen  müssen,  dass
Haltbares  und  Verlässliches  nichts  zu  ermitteln  sei.  Wenn  der
Verfall  der  etruskischen  Cultur  in  den  Alpen  schon  zu  Livius’  Zeiten ­
  so  gross  war,  dass  er  sich  bewogen  fand,  von  den  Haetiern  zu
sagen  :  „nequid  ex  antiquo•praeter  sonum  linguae,  nec  eumincorruptum,
  retinerent”  so  muss  doch  wohl  im  Zeiträume  von  1800
Jahren  nach  ihm  ein  bis  zur  vollständigen  Unkenntlichkeit  fortgeschrittenes ­
  Sprachverderbniss  eingetreten  sein.  Dazu  kömmt  noch,
dass,  da  man  den  etruskischen  Sprachorganismus  bisher  nicht
kennt,  zur  halbweg  richtigen  Deutung  der  in  Tirol  fremd  und  seltsam ­
  klingenden  Wörter  jedes  verlässliche  Criterium  fehlt.  Mit
der  comparativen  auf  den  Wörtergleichklang  gestützten  Methode
geht  man  leicht  fehl,  und  dann  gewiss,  wenn  zu  befürchten  ist,
dass  der  Stamm  der  zu  deutenden  Wörter  sich  nicht  rein  erhalten
habe.  Aus  der  Sprachanalyse  lässt  sich  demnach  kein  Beweis  für
die  Aussage  des  Herrn  Kink  von  der  Verbreitung  der  raetischtuskischen
  Bevölkerung  über  ganz  Tirol  führen,  und,  wie  ich  gezeigt ­
  zu  haben  glaube,  eben  so  wenig  aus  den  aufgefundenen  Alterthümern
  , ).  Geschichte,  Sprachdenkmale  und  Alterthümer  ergeben
also  das  nicht,  was  man  mit  so  vieler  Parteilichkeit  zur  herrschenden ­
  Ansicht  zu  machen  strebt,  und  was  —  es  darf  nicht  verschwiegen ­
  werden—auch  aus  staatlichen  Gründen  zu  missbilligen
ist.  Der  aus  der  Gelehrtenstube  in  das  wälsch-tirolische  Volk  gedrungene ­
  und  von  einer  übelgesinnten  Partei  ohne  Zweifel  genährte
Wahn  etruskischer  Abstammung  hat  zu  der,  wie  wir  wissen,  hartnäckig ­
  verfolgten  Lostrennungsforderung  von  Deutschland  wesentlich ­
  beigetragen,  er  hat  selbst  zersetzender  als  der  Vorwand  ehemaliger ­
  Vereinigung  der  südlichen  Landestheile  mit  Italien  gewirkt.
Man  war  desshalb  zu  der  Erwartung  einer  von  Deutsch-Tiro
  1  ausgehenden  kräftigen  Zurückweisung  dieser  wissenschaft-*)

  Herr  Kink  meint,  dass,  obgleich  die  Ergebnisse  der  Steub’schen  Untersuchungen
  die  Folterbank  verrathen  ,  so  könnte  ihnen  ein  sprachliches
System  doch  nicht  abgesprochen  werden.  Wie  nun  das  zu  Stande
kommen  soll,  wenn  man  die  Grundformen  der  Wörter  nicht  kennt,  ist
schwer  einzusehen.  Dass  viele  von  den  zu  solchen  Deutungen  benützten
etruskischen  Ortsnamen  gar  nicht  etruskisch,  sondern  urabrisch,  pelasgisch
  u.  s.  w.  sind,  ist  schon  oben  bemerkt  worden.
            
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