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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Um  die  Ausbreitung  der  tuskischen  Bevölkerung  in  ununterbrochener ­
  Folge  von  Gotthard  bis  Salzburg-  zu  erweisen  und  die
Rasener  d.  i.  Etrusker  überall  zum  herrschenden  Volk  machen  zu
können,  hat  man  Livius  angeführt,  der  sagt:  Tanta  opibus  Etruria
erat,  utjam  non  terras  solum,  aed  etiam,  per  totam  Italiae  longitudinem,abAlpibus
  ad  frelumSiculum,  fama  nominis  suivmplesset.
Dass  Livius  in  dieser  Stelle  nur  von  den  Etruskern  der  Ebene  und
keineswegs  von  denen  der  Alpen  spricht,  erhellt  schon  aus  seiner
früher  angeführten  Bemerkung  über  die  bis  zum  Verfall  der  Sprache
gediehenen  Culturrüekschritte  der  letztem.  Ab  Alpibus  ist  übrigens ­
  zu  lesen  a  partibus  Alpium,  weil  die  Praeposition  a  eine  Trennung ­
  und  Entfernung  bedeutet.  Desshalb  würde  diese  Stelle  auf
die  Ausdehnung  des  Etruskergebiets  über  den  ganzen  Alpenumfang
bezogen  sicher  nicht  richtig  verstanden  sein.  Wird  sie  im  Zusammenhänge ­
  mit  dem  was  vorhergeht  und  nachfolgt  gelesen,  so  sieht  man
deutlich,  dass  bloss  von  Hetrurien  und  nicht  auch  von  Raetien  die
Rede  ist.  Endlich  bildeten  die  Alpen  zu  aller  Zeit  Italiens  Gränzen.
In  der  hier  oben  angedeuteten  gleichen  Absicht  behauptet
Herr  Kink  auch:  „Keltische  Ortsnamen  finden  sieh  nur  in  Vinde-„licien.
  In  Tirol,  im  eigentlichen  Raetien  finden  sie  sich  nirgends.’’
Das  Unrichtige  dieser  Behauptung  thun  dar  die  Ortsnamen  Cardaun, ­
  in  der  Urform  Cardunum  bei  Botzen,  in  dem  selbst  Graf
Giovanelli  (Ara  Dianae,  S.  116.  N.)  das  keltische  Carodunum
wieder  erkennt.  Ebendort  Carneid,  Carerwald,  Carersee,  Campenn,
  Campill,  die,  wüsste  man  die  urkundliche  Form,  sich  vermuthlich
  ebenfalls  als  keltisch  herausstellen  würden,  nachdem  sie
um  Cardaun  getroffen  werden.  Das  uralte  Thaur,  Hall,  Aguntum,
Veldidena,  Matreja,  Barrodunum,  Loncium  und  viele  andere,  die
bei  Zeuss,  der  sie  zusammengestellt  hat,  nachgesehen  werden
können,  sammt  einigen  unzweifelhaft  keltischen  Fluss-  undGebirgsgedachtes

  zur  Klärung  des  über  die  Urgeschichte  Tirols  schwebenden
Dunkels  zurück.  Auch  Herr  Kink  hat  in  seinen  akademischen  Vorlesungen ­
  1.  Th.  S.  20,  Roschmann  wegen  seiner  mit  Zeuss  und  Andern
übereinstimmenden  Ansicht  zu  widerlegen  versucht,  aber,  wie  mich
dünkt,  nicht  mit  Glück,  und  so,  dass  ich  meine,  er  und  ich  hätten  bei
den  beiden  Roschmann  noch  lange  in  die  Schule  zu  gehen,  um  die  Tiefe
ihrer  Gründlichkeit  zu  erreichen.
            
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