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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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ßaetien  und  die  römische  Gränzbestimmung-  zu  Hilfe  nehmen ­
  wollte,  so  wäre  das  eine  Täuschung-,  nachdem  ßaetien  seit
390  vor  Chr.  eine  gemischte  Bevölkerung  hatte,  bei  der  der  keltische ­
  Stamm  offenbar  überwog,  auch  waren  die  ßaetier  durch  die
Ansiedelung  der  Euganäer  uranfänglich  schon  ein  Mischvolk.  Wäre
es  aber  im  Sinne  der  ßömer  gelegen  gewesen,  ein  bloss  auf  den
tuskischen  Stamm  beschränktes  ßaetien  abzugränzen,  so  hätten  sie
den  Kern  der  Bevölkerung  vertreiben  müssen,  denn  Kelten  sassen
von  Trident  bis  Aguntum  und  Veldidena.  Augustus  konnte  so  wenig ­
  als  Claudius  bei  der  Provinzeintheilung  von  der  Stammeseinheit ­
  der  Völker  die  ßichtschnur  entlehnen;  auch  geschah  dies,  besonders ­
  in  späterer  Zeit,  wirklich  gar  nicht.  Am  öftesten  bestimmten ­
  Seen,  Flüsse  oder  Gebirge  die  Gränzen.  ßaetien  erfuhr  überdiess
  später  solche  Gränzveränderungen  im  Süden,  dass  das.  eigentliche ­
  tuskische  ßaetien  grossentheils  davon  abkam.
Falsch  ist  daher  die  Berufung  auf  den  Namen  ßaetien  und
seine  Gränzen,  wenn  man  damit  zu  verstehen  gibt:  So  weit  ßaetien, ­
  so  weit  die  Etrusker.  Zeuss  (Die  deutschen  und  die  Nachbarstämme ­
  S.  219)  bestätigt  diesen  Ausspruch,  indem  er  sagt:
„Beide  Völker  (ßaeter  und  Vindeliker)  sind  keltischer  Abstammung, ­
  doch  ist  bei  den  ßaeten  eine  Einschränkung  zu  machen;
„keineswegs  sind  alle  Völker,  welche  unter  der  Gesammtbezeich-„nung
  ßaeten  vorkamen,  vom  Stamme  der  Kelten.  An  den  Südflabhängen ­
  der  Alpen  haben  einzelne  Völker  fremder  Abkunft  sich
„erhalten.”  In  umgekehrter  Ordnung  sagt  demnach  Zeuss  das,
was  hier  auseinandergesetzt  wurde.  Eben  dieser  Ansicht  ist
Diefenbach  (Celtica),  und,  wird  noch  beizufügen  sein,
ßoschmann  hegte  und  vertheidigte  sie  in  seiner  Geschichte
Tirols  schon  vor  60  Jahren  grösstentheils.  ‘)

*)  Für  diese  Unparteilichkeit  hat  Hormayr  den  verdienstvollen  Roschmann
  in  seiner  Geschichte  Tirols  (S.  26  Note)  in  der  seinen  Charakter
bezeichnenden  wohlbekannten  Weise  herabgewürdigt.  Inzwischen  erfährt
der  grundgelehrte  Roschmann  nicht  bloss  durch  die  Ergebnisse  der
neuesten  Forschungen  die  verdiente  Anerkennung,  sondern  er  erfahrt  sie
auch  durch  Hormayr’s  Behandlung  der  ältesten  Geschichte  selbst.  Wenn
darin  der,  Gelehrsamkeit  affectirende  und  gesinnungsheuchelnde  Redeschwall ­
  vom  reellen  Stoffinhalt  ausgeschieden  wird,  so  bleibt  wenig  Eigen-■


            
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