566
ßaetien und die römische Gränzbestimmung- zu Hilfe nehmen
wollte, so wäre das eine Täuschung-, nachdem ßaetien seit
390 vor Chr. eine gemischte Bevölkerung hatte, bei der der keltische
Stamm offenbar überwog, auch waren die ßaetier durch die
Ansiedelung der Euganäer uranfänglich schon ein Mischvolk. Wäre
es aber im Sinne der ßömer gelegen gewesen, ein bloss auf den
tuskischen Stamm beschränktes ßaetien abzugränzen, so hätten sie
den Kern der Bevölkerung vertreiben müssen, denn Kelten sassen
von Trident bis Aguntum und Veldidena. Augustus konnte so wenig
als Claudius bei der Provinzeintheilung von der Stammeseinheit
der Völker die ßichtschnur entlehnen; auch geschah dies, besonders
in späterer Zeit, wirklich gar nicht. Am öftesten bestimmten
Seen, Flüsse oder Gebirge die Gränzen. ßaetien erfuhr überdiess
später solche Gränzveränderungen im Süden, dass das. eigentliche
tuskische ßaetien grossentheils davon abkam.
Falsch ist daher die Berufung auf den Namen ßaetien und
seine Gränzen, wenn man damit zu verstehen gibt: So weit ßaetien,
so weit die Etrusker. Zeuss (Die deutschen und die Nachbarstämme
S. 219) bestätigt diesen Ausspruch, indem er sagt:
„Beide Völker (ßaeter und Vindeliker) sind keltischer Abstammung,
doch ist bei den ßaeten eine Einschränkung zu machen;
„keineswegs sind alle Völker, welche unter der Gesammtbezeich-„nung
ßaeten vorkamen, vom Stamme der Kelten. An den Südflabhängen
der Alpen haben einzelne Völker fremder Abkunft sich
„erhalten.” In umgekehrter Ordnung sagt demnach Zeuss das,
was hier auseinandergesetzt wurde. Eben dieser Ansicht ist
Diefenbach (Celtica), und, wird noch beizufügen sein,
ßoschmann hegte und vertheidigte sie in seiner Geschichte
Tirols schon vor 60 Jahren grösstentheils. ‘)
*) Für diese Unparteilichkeit hat Hormayr den verdienstvollen Roschmann
in seiner Geschichte Tirols (S. 26 Note) in der seinen Charakter
bezeichnenden wohlbekannten Weise herabgewürdigt. Inzwischen erfährt
der grundgelehrte Roschmann nicht bloss durch die Ergebnisse der
neuesten Forschungen die verdiente Anerkennung, sondern er erfahrt sie
auch durch Hormayr’s Behandlung der ältesten Geschichte selbst. Wenn
darin der, Gelehrsamkeit affectirende und gesinnungsheuchelnde Redeschwall
vom reellen Stoffinhalt ausgeschieden wird, so bleibt wenig Eigen-■