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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Auf  dem  nördlichen  Abhang  der  Tiroler-Alpen  lässt  Niebuiir
die  Pelasger  wohnen,  ein  in  Italien  lange  vor  der  Einwanderung
der  Etrusker  getroffenes  und  von  ihnen  vertriebenes  Volk.  Unter
Alexander  dem  Grossen  sind  Kelten  in  der  Nähe  des  adriatischen
Meeres  zuverlässig  angesiedelt,  und  wie  lange  mögen  sie  schon  vor
ihm  dort  gewesen  sein?  Werden  die  Spuren  der  ältesten  Alpenbevölkerung ­
  in  der  Sage  und  Geschichte  verfolgt,  so  drängt  sicli
die  Ueberzeugung  von  vortuskischen  Einwanderungen  altitalischer
Völkerschaften  und  von  illyrischen  und  keltischen  unfehlbar  auf.
Es  wird  sodann  einleuchtend,  dass  Tirol  an  den  in  der  Geschichte
später  aufgetretenen  Etruskern  die  erste  Bevölkerung  nicht  empfing, ­
  während  die  Hypothese  von  ihrer  Ureinwohnerschaft,  da
sie  kein  geschichtliches  Zeugniss  für  sich,  wohl  aber  gewichtige
gegen  sich  hat,  gar  nicht  glaublich  ist.
Um  mit  dieser  Hypothese  durchzudringen,  hat  man  sich  der
Angriffe  auf  die  Glaubwürdigkeit  des  Trogus  Pompejus  bedient
und,  durch  eine  Umkehr  der  Regel  historischer  Kritik,  sein  Zeugniss, ­
  weil  es  das  älteste  ist,  dem  jüngern  des  Plinius  und  dieses
wieder  dem  jüngsten  des  Livius,  weil  dieser  die  missliebige  Einwanderung ­
  der  Etrusker  aus  Italien  in  die  Alpen  verschweigt,  nachgesetzt ­
  1 ).  Damit  ist  indessen  ebenfalls  nichts  gewonnen,  weil  Jedermann ­
  die  Vorzüge  des  Trogus,  der  aus  den  besten  ältesten
Quellen  schöpfte,  kennt,  und  selbst  den  von  Justin  gegebenen  Auszug ­
  seines  Geschichtswerkes  vollständig  erhaltenen  Arbeiten  gleichsetzen ­
  wird.  Niebuhr  macht  die  richtige  Bemerkung,  dass  Trogus, ­
  als  Gallier  von  Geburt,  gerade  in  der  hier  verhandelten  Frage
das  meiste  Gewicht  hat.  Einen  Beleg  von  seiner  Genauigkeit  geben
die  von  Pertz  (Monum.  Germ.  hist.  X.  Band)  edirten  Gesta  Treverorum,
  wo  der  gallische  Einfall  in  Italien,  v.  J.  390  v.  Chr.,  mit
folgenden  Worten  erzählt  wird:  Namque  Galli  cum  tanta  habundarent
  multitudine,  ui  eos  non  caperent  terrae  quae  genuerant.
treccntamiliahominum  adsedes  novas  quaerendas  emiserunl.  Ex
his  portio  in  Italiaconsedit,  quae  sedibus  propriis  Tuscos  expulit,
  et  civitates  has  ;  Mediolanum,  Arhninum,  Comum,  Brixiam,
Veronam,  Pergamum,  Tridentum,  Vicentiamque  condidit.  Diese

*)Kink:  Akad.  Vorlesungen  über  die  Geschichte  Tirols  I.  Bd.  S.  27.
            
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