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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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uiul  den  Umstand  berücksichtigt,  dass  die  Etrusker  die  geschicktesten ­
  Seefahrer  und  die  verwegensten  Seeräuber  waren  *).
Verwirft  man  die  lydische  Wanderung  der  Etrusker  und  macht
sie  zu  Eingebornen  Italiens,  so  wird  man  ihre  Wohnsitze  angeben
müssen,  was  nicht  möglich  sein  dürfte,  da  ihr  erstes  Auftreten
in  der  Geschichte  (die  Einwanderung  in  Italien  und  die  Vertreibung ­
  der  Umbrer,  deren  Gebiet  sie  besetzten)  sie  nicht  als
Eingeborene,  sondern  als  Fremdlinge  bezeichnet  a ).
Glücklicher  vielleicht,  und  jedenfalls  natürlicher,  dürfte  die
Combination  einer  Entsendung  tuskischer  Colonisten  nach  den
Alpen  vor  der  gallischen  Eroberung,  in  der  Zwischenzeit  von
Vertreibung  der  Umbrer  bis  dahin,  sein.  Nachdem  die  Etrusker
im  Besitze  des  grössten  Theils  von  Oberitalien  waren,  so  mochten
sie  wohl  auchVerlangen  tragen,  sei’s  zur  Sicherung  ihrer  Gränzen,
oder  etwa  um  bequemer  Seeräuberei  zu  treiben,  die  Alpenabhänge
zu  besetzen.  Diese  Vermuthung  gewinnt  um  so  mehr  Wahrscheinlichkeit, ­
  als  Strabo,  übereinstimmend  mit  Dio  Cassius,  von
den  Räubereien  und  Grausamkeiten  der  kleinen  raetischen  Alpenvölker ­
  umständlich  Erwähnung  macht.  Diese  Züge  entsprechen
ganz  dem  tuskischen  Charakter.  Für  obige  Annahme  spricht
auch  das  Colonisirungssystem  und  die  Cantonverfassnng  der
Etrusker.  Damit  stimmt  endlich  die  beim  gallischen  Einbruch
nach  den  Alpen  gerichtete  Flucht  einer  Schaar  von  Etruskern,
unter  der  Führung  des  Raetus,  zusammen;  denn  der  Zug  der
Flüchtlinge  nach  den  Alpen  brachte  sie  zu  Landsleuten.  Adoptirt
  man  also  diese  sehr  wahrscheinliche  Combination,  so  braucht
man  Justin’s  Angaben  nicht  zu  bezweifeln  oder  wegzuläugnen.

^Niebuhr,  R5m.  6.  3.  Auflage,  1.  Th.  hat  S.  113,143  u.  144,  aus  den
Angaben  der  Alten  die  Beweise  für  diesen  Ausspruch  zusaramengestellt.
2 )  Das  in  Umbrien  von  den  Tuskern  abgenommene  Land  erstreckte  sich
nach  Niebuhr  von  den  Alpen  bis  Toscana,  und  bildete  den  etruskischen
Staat  zu  der  Zeit  als  die  Etrusker  am  mächtigsten  waren.  Hätten  sie
vor  diesem  Eroberungszug  in  den  Alpen  gesessen,  so  hätten  sie,  nachdem ­
  wir  sie  in  Italien  sogleich  als  ein  dergestalt  zahlreiches  Volk  kennen
gelernt  haben,  dass  es  die  Umbrer,  eines  der  ältesten  und  mächtigsten  Völker
dieses  Landes  vertreiben  und  ihm,  wie  Plinius  meldet,  300  Städte,  d.  i.
sehr  viele  ,  abnehmen  konnte  ,  Spuren  ihres  Dagewesenseins  ,  wie  wir
deren  von  den  Kellen  besitzen,  hinterlassen  müssen.
            
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