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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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wurden  darin  das  herrschende  Volk.  Da  nun  die  Keifen  einesteils
die  lombardische  Ebene  inne  hatten  und  anderntheils  Herren  der
Alpen  waren,  dort  bis  an  das  adriatische  Meer  reichten  und  hier
ganz  Tirol  einnahmen,  so  waren  die  kleinen  raetisch-tuskischen
Völkerschaften  zwischen  den  siegreichen  alpengebietenden  Kelten
so  eingekeilt,  dass  sie  eben  sowohl  von  diesen  unterjocht,  als  von
ihrer  Heimatli  und  ihren  Stammesgenossen,  den  Etruskern  in  Toscana, ­
  gänzlich  getrennt  gedacht  werden  müssen.  Da  nun  von  dort
keine  Nachwanderungen  in  die  Alpen  geschahen  (kein  Gesch'chtschreiber
  der  Alten  vveiss  etwas  davon),  so  war  eine  Ausbreitung
der  Alpen-Etrusker  in  dem  weiten  Umkreis  von  der  Schweiz  bis
an  die  Tauern  und  zurück  bis  Italien  ein  unmöglich  Ding.  Ganz
im  Gegentheil  einer  solchen  Ausbreitung  ist  anzunehmen,  dass  die
unterjochten  Alpen-Etrusker  unter  den  Kelten  mehrentheils  untergingen, ­
  und  dass  diese  als  das  eigentliche  Urvolk  Tirols  wie
aller  österreichischen  Alpenländer  gelten  müssen.
Es  ist  ein  sonderbarer  Widerspruch,  in  den  Herr  Kink  mit  der
angedeuteten  weiten  Ausbreitung  der  Alpen-Etrusker  an  einem  Orte
und  an  einem  andern  mit  der  Angabe  ihres  Untergangs  in  ihren
eigentlichen  Wohnsitzen  geräth.  Hierüber  äussert  er  sich  folgendermassen;
  „Ohne  Zweifel  drängten  sie  sich  (die  Kelten)  mit
„der  Zeit  auch  in  die  Seitenthäler  der  Sarca,  der  Etsch  und  des
„Chiese.  Darauf  deutet  auch  schon  der  Umstand,  dass  in  jenen
„Gegenden  die  alten  hetrurischen  Namenklänge,  welche  sich  im
„übrigen  Tirol  durchgängig  finden  (??),  verklungen  sind”  *).
Genaueren  Aufschluss  über  die  Zustände  der  Alpen-Etrusker
liefert  uns  Livius,  der  ihre  Verwilderung  eine  so  weit  gediehene
nennt,  dass  ihnen  vom  Mitgebrachten  nichts  als  der  Ton  der  Sprache
und  selbst  dieser  nicht  unverfälscht  geblieben  war:..  quos  (Raetos)
locaipSa  efferarunt,  ne  quid  ex  antiqüopraeter  sonum  linguae,  nee
eüm  incorruptum,  retinerent  (V.  23.).  Solche  Culturrückschritte
sind  nur  bei  einem  in  die  Knechtschaft  roher  Zwingherren  gerathenen,
  tief  gebeugten  Volke  möglich.  Liegt  aber  in  eben  dieser
Schilderung  nicht  auch  der  Beweis  völliger  Trennung  der  Alpen-Etrusker
  von  denen  der  Ebene?

*)  Kink.  akad.  Vorlesungen  I.  32.
            
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