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wenn man sich mit Strabo beräth, der (VII. I.) angibt, dass die
Uaetier den Bodensee ganz wenig berühren, und ihr Land in die
Alpen und bis Italien reiche, während die längere Strecke dieses
Sees von Helvetiern und Vindelikern besetzt sei und an die Bojerwüste
stosse. Einige Raeten und Noriker, bemerkt er weiter,
gränzen an die Insubrer, andere an die Karner und an die Landstriche
um Aquileja. Vom Gotthard insbesondere gibt Johann
von Müller in seiner Schweitzergeschichte 1. Theil an, dass
er grossentheils von Lepontiern eingenommen war, von denen er
meint, sie seien Taurisker gewesen. Dass die Taurisker so wenig
wie die Lepontier tuskischer Abkunft waren, bedarf keines Beweises.
Bregenz, den Wald, und alle Höhen auf der Ostseite des
Bodensee’s, lässt er zuverlässig von Vindelikern, den Thurgau
aber von Helvetiern bewohnt sein.
Wenn dieser Sachverhalt uns einestheils unläugbar nöthigt,
die tirolischen Alpen-Etrusker auf die Südabhänge der Alpen zu
beschränken, so können wir anderntheils auch nicht verkennen,
dass diese thuscische Bevölkerung gering an Zahl und einer weiteren
Ausbreitung desshalb nicht fähig war, weil keine Nachwanderungen
aus ihrer Heimath geschahen, und endlich, weil nicht sie,
sondern die Kelto-Gallier das herrschende Volk der Alpen war.
Damit die Richtigkeit dieser Angaben besser eingesehen werden
könne, müssen wir die Einwanderungsgeschichte der Etrusker
in die Alpen ins Auge fassen. Es war im J. 390 vor Chr. als ungeheuere
kelto - gallische Schaaren die Tauriner-Alpen überstiegen,
die Etrusker am Ticinus schlugen, sie aus ihren Wohnsitzen in
der lombardischen Ebene gänzlich vertrieben, sich daselbst niederliessen
und Mailand, Como, Brescia, Bergamo, Verona, Vicentia
und Trient gründeten.
Bei diesem Zusammenstoss der Gallier mit den Etruskern
wurden die letztem auseinandergesprengt. Die grössere Menge
zog sich nach Toscana zurück, ein kleiner Theil flüchtete unter
Raetus’ Führung in die Alpen. Bald hernach erfolgte aber auch
der Einbruch der Gallier in die Alpen selbst,' wo sie bis in den
hercynischen Wald vordrangen und den kelto-gallischen Staat von
Noricum gründeten. Bei diesem durch fortgesetzte Zuwanderungen
verstärkten Keltenzug, breiteten sich die kelto-gallischen
Schaaren über da? ganze österreichische Alpengebiet aus, und
Sitzb. d. philos.-bist. CI. Jahrg. 1850. II. Bd. IV. Heft. 31