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Handelt es sich nunmehr um die Darstellung des eigentlichen
Sachverhaltes mit der Thesis über die etruskische Bevölkerungs-»
eschichte Tirols, so werden wir zunächst mit den von den Alten
darüber gelieferten Nachrichten beginnen müssen. Siesind dürftig,
nicht als ob die Alten, sie, die selbst den Sagenkreis für ihre Geschichtswerke
reichlieh benützten, über das Verhältniss mit den
Alpenbewohnern leichtfertig hinweggegangen wären, sondern weil
sie ihrer Beobachtung vor der erstrebten Römerherrschaft über
die Alpen zu sehr entrückt waren. Von Völkern, die durch lange
Zeiträume auf sich beschränkt bleiben und ausser Verkehr mit
andern stehen, lässt sich wenig sagen, besonders dann, wenn sie,
wie gerade von den kleinen raetischen Völkerschaften, von den
Lepontiern, Tridentinern und Stonern Strabo berichtet, bloss
durch Räubereien und Pauperismus bekannt sind. (Supra comum
habitant versus orientem Raeti et Vennones, ad alteram partem
Lepontii, Tridentini, Stoni, et aliae complures exiguae gentes,
latrociniis dedictae et pauperes).
Die Hauptbeweisstelle für die Niederlassung der Etrusker in
den Alpen gibt Justinus, der Epitomator des Trogus Pompejus.
Er sagt (L. XX. 5) dass die Etrusker nach dem Verluste
ihrer urväterlichen Wohnsitze die Alpen unter ihrem Anführer
Raetus besetzten, und nach dessen Namen die Stämme der Raetier
begründeten. Tusci quoque, duce Raeto, avitis sedibus
amissis, Alpes occupavere, et ex nomine ducis, gentes Raelorum
condidcrunt). Livius, kürzer sich fassend, bestätigt (XI. I.) des
Trogus Aussage mit den Worten: „Alpinis quoqae ea (tusca)
gentibus liaud dubie origo est, maxime Raetis”, schweigt aber
über die Einwanderung; Plinius dagegen, weniger bestimmt sich
ausdrückend, führt bloss die gangbar gewesene Meinung an, wenn
er (III. 24 de Alpibus.) sagt: Raetos Thuscorum prolem arbitranlur,
a Gallis pulsos, duce Raeto.
Aus diesen Angaben ergibt sich weiter nichts als die Flucht
eines Schwarmes verdrängter Etrusker in die Alpen, ohne Bestimmung
in welche; inzwischen erhalten wir anderswo Aufschluss.
Es ist die Sache kühner Abenteurer in unbekannten Gegenden
so weit vorzudringen als die Kräfte, die Hilfsmittel und
die örtlichen Verhältnisse es gestatten. Bestürzte Flüchtlinge
dagegen, denen es bloss um ihre Sicherheit zu thun ist, werden