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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Handelt  es  sich  nunmehr  um  die  Darstellung  des  eigentlichen
Sachverhaltes  mit  der  Thesis  über  die  etruskische  Bevölkerungs-»
  eschichte  Tirols,  so  werden  wir  zunächst  mit  den  von  den  Alten
darüber  gelieferten  Nachrichten  beginnen  müssen.  Siesind  dürftig,
nicht  als  ob  die  Alten,  sie,  die  selbst  den  Sagenkreis  für  ihre  Geschichtswerke ­
  reichlieh  benützten,  über  das  Verhältniss  mit  den
Alpenbewohnern  leichtfertig  hinweggegangen  wären,  sondern  weil
sie  ihrer  Beobachtung  vor  der  erstrebten  Römerherrschaft  über
die  Alpen  zu  sehr  entrückt  waren.  Von  Völkern,  die  durch  lange
Zeiträume  auf  sich  beschränkt  bleiben  und  ausser  Verkehr  mit
andern  stehen,  lässt  sich  wenig  sagen,  besonders  dann,  wenn  sie,
wie  gerade  von  den  kleinen  raetischen  Völkerschaften,  von  den
Lepontiern,  Tridentinern  und  Stonern  Strabo  berichtet,  bloss
durch  Räubereien  und  Pauperismus  bekannt  sind.  (Supra  comum
habitant  versus  orientem  Raeti  et  Vennones,  ad  alteram  partem
Lepontii,  Tridentini,  Stoni,  et  aliae  complures  exiguae  gentes,
latrociniis  dedictae  et  pauperes).
Die  Hauptbeweisstelle  für  die  Niederlassung  der  Etrusker  in
den  Alpen  gibt  Justinus,  der  Epitomator  des  Trogus  Pompejus.
  Er  sagt  (L.  XX.  5)  dass  die  Etrusker  nach  dem  Verluste
ihrer  urväterlichen  Wohnsitze  die  Alpen  unter  ihrem  Anführer
Raetus  besetzten,  und  nach  dessen  Namen  die  Stämme  der  Raetier ­
  begründeten.  Tusci  quoque,  duce  Raeto,  avitis  sedibus
amissis,  Alpes  occupavere,  et  ex  nomine  ducis,  gentes  Raelorum
condidcrunt).  Livius,  kürzer  sich  fassend,  bestätigt  (XI.  I.)  des
Trogus  Aussage  mit  den  Worten:  „Alpinis  quoqae  ea  (tusca)
gentibus  liaud  dubie  origo  est,  maxime  Raetis”,  schweigt  aber
über  die  Einwanderung;  Plinius  dagegen,  weniger  bestimmt  sich
ausdrückend,  führt  bloss  die  gangbar  gewesene  Meinung  an,  wenn
er  (III.  24  de  Alpibus.)  sagt:  Raetos  Thuscorum  prolem  arbitranlur,
  a  Gallis  pulsos,  duce  Raeto.
Aus  diesen  Angaben  ergibt  sich  weiter  nichts  als  die  Flucht
eines  Schwarmes  verdrängter  Etrusker  in  die  Alpen,  ohne  Bestimmung ­
  in  welche;  inzwischen  erhalten  wir  anderswo  Aufschluss.
Es  ist  die  Sache  kühner  Abenteurer  in  unbekannten  Gegenden ­
  so  weit  vorzudringen  als  die  Kräfte,  die  Hilfsmittel  und
die  örtlichen  Verhältnisse  es  gestatten.  Bestürzte  Flüchtlinge
dagegen,  denen  es  bloss  um  ihre  Sicherheit  zu  thun  ist,  werden
            
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