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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Diese  seltsame  Erscheinung  findet  ihren  Erklärungsgrund  in
der  einseitigen  Richtung,  in  der  diese  rein  wissenschaftliche  Frage
vom  Anfänge  her  sich  bewegte,  und  in  der  man  sie,  ihre  Bedeutung ­
  verkennend,  ohne  alle  Gegenwehr  festwurzeln  liess.
In  dieser  schon  in  der  zweiten  Hälfte  des  vorigen  Jahrhunderts ­
  angeknüpften  Streitfrage,  auf  welche,  wie  es  scheint,  die
Untersuchungen  einiger  hervorragenden  deutschen  Gelehrten  über
die  ältesten  Bewohner  Italiens  und  der  Alpen  in  der  Folge  noch
mehr  erregend  einwirkte,  tritt  vorzüglich  die  Geltendmachung  des
thuscischen  Elementes  im  Gegensätze  zu  dem  keltischen  hervor,
welches  letztere  in  der  Geschichte  aller  jübrigen  österreichischen
Alpenländer  als  das  gemeinsame  und  allein  richtige  für  die  völkcrschaftliche
  Abkunft  ihrer  Bewohner  erkannt  und  angenommen  ist.
Während  man  also  in  ganz  Innerösterreich,  im  Kranlande  Salzburg ­
  und  in  Ober-  und  Niederösterreich,  durch  Uebereinstimmung
der  geschichtlichen  Ueberlieferungen  mit  den  Zeugenproben  der
Alterthumskunde,  zu  dem  feststehenden  Resultate  gelangt  ist,  dass
die  Kelten  die  Urbewohner  des  ganzen  Alpengebiets  waren,  beschränkt ­
  man  diese  Ansicht  in  Tirol  nicht,  wie  es  anfänglich  geschah, ­
  auf  den  Norden  dieses  Landes,  undvindicirt  für  den  Süden
als  Urvolk  die  Etrusker,  sondern  gibt  diesen  in  jüngster  Zeit  eine
Ausbreitung  über  ganz  Tirol,  über  das  ganze  österreichische
Alpengebiet,  ja  selbst  bis  in  die  Schweiz,  ins  Rheinthal  und  bis
zum  Lech.  Diese  Meinung  vertritt  Herr  Kink  in  den  so  eben
erschienenen  „Akademischen  Vorlesungen  über  die
Geschichte  Tirols  bis  zur  Vereinigung  mit  Oesterreich, ­
  Innsbruck  1850”,  indem  er  1.  Band,  S.  29,  sagt:  die
„Stämme  der  Etrusker  (d.  i.  Tusker,  Tyrrhener,  Rasener)  wohn-„ten
  in  ununterbrochener  Folge  vom  Gotthard  längs  den  Quellen
„des  Rheins  und  des  Inns  hinauf  bis  zum  Lech  und  von  da  bis  zu
„den  Salzburger  Tauern,  dann  von  dort  in  einem  Halbkreis  süd-„wärts
  bis  tief  in  Italien,”  eine  Behauptung,  die  zunächst  voraussetzt, ­
  dass  sie  in  der  Geschichte  der  Sclnveitz,  Badens,  Bayerns
und  Wirtembergs  wiedergefunden  werde,  und  voraussetzt,  dass
sie  in  den  in  diesen  Ländern  entdeckten  Alterthümern  einen  Stützpunct
  erworben  habe,  was  aber,  wie  mich  der  Augenschein  lehrte,
nicht  der  Fall  ist.
            
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