aufbewahrt sind. Aus beiden Gründen wäre es mir höchst wünschenswerth,
diese Handschrift zur Benützung auf etwa drei Monate
erhalten zu können, um sie im Interesse meines Corpus poetarum
ung. ausbeuten zu können. Da sich Herr Haupt bereit erklärt, die
Ausleihung derselben beim Leipziger Stadtratlie zu vermitteln,
falls die kais. Akademie sich dafür verwende: so nehme ich
mir die Freiheit Sie zu bitten, bei der philosophisch-historischen
Classe gütigst dahin zu wirken, dass mir durch die. Dazwischenkunft
der kais. Akademie die fragliche Handschrift zugänglich
gemacht werde.
Dieselbe Bitte lege ich hinsichtlich der Heidelberger Chronikenhandschrift
ein, welche sich auf der Heidelberger Universitäts-Bibliothek
unter den Codd. Palatinis suh Nr. 156 befindet.”
Die Classe beauftragt den Secretär, Herrn Toldy’s Gesuch
in ihrem Namen vor die Gesammt - Akademie zu bringen und zu
unterstützen.
Der kaiserliche Rath Bergmann liest die Fortsetzung von
Herrn Schlager’s „Beiträgen zur österreichischen
Kunstgeschichte”, und zwar diessmal: Ueber die alten
Kunstsammlungen des Hofes bis gegen das Jahr 1750.
Wenn hierüber leider wenige und nur meist auf die blossen Namen
der Künstler und ihre Besoldungen bezügliche Notizen vorhanden
sind, so verdienen sie als verlässliche Quellen allen Dank, da sie
Anhaltspuncte für weitere Forschungen geben.
Herr Schlager vermuthet, dass nach König Ladislaus Posthumus
Tode (1457} die landesfürstliche Sammlung in Wiener-Neustadt
als der gewöhnlichen Residenz des Kaisers Friedrich III.
gewesen sei. Darauf kam sie durch Kaiser Maximilian I. nach
Innsbruck, wo sie auch später wegen der Wien so schwer
und lange bedrohenden Türkengefahr sicher verwahrt war.
Mit Kaiser Maximilian II., der schon als böhmischer König
seinen Aufenthalt in Wien nahm, ist 1558 von der Erbauung einer
Kunstkammer die Rede, deren nähere Beschreibung uns fehlt.
Doch gab es schon, wie Bergmann in seinen Medaillen über berühmte
und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates
Bd. I. 296 ff. zeigt, Sammler römischer Antiquitäten, als
den kais. Bausuperintendenten Hermes Schallauzer, einen