Sitzungsberichte
der
philosophisch - historischen Classe.
Sitzung vom 6. November 1850.
Der Secretär legt folgendes an ihn gerichtete Schreiben des
corresp. Mitgl. Herrn Bibliothekars Franz Toldy in Pesth vor:
„In Folge Ihrer gütigen Weisung habe ich mich vor längerer
Zeit an Herrn Professor Moriz Haupt in Leipzig gewendet, und
von ihm nähere Auskunft über die, sich auf der dortigen Stadt-Bibliothek
befindende, ungrische Liederhandschrift gebeten. Herr
Haupt war so gütig, meiner Bitte auf erschöpfende Weise zu willfahren,
und theilte mir den Inhalt dieser Handschrift en detail mit,
woraus hervorgeht, dass diese im ersten Tlieile 31 religiöse Lieder,
im zweiten 13 epische Gedichte enthält, theils biblischen, theils
ungriscb-historischen Inhaltes. Die Sammlung ist theils oder ganz
1615 geschrieben, und scheint von einem wittenbergisclien Studenten
herzurühren, der den grössten Theil, wahrscheinlicher alle
Gedichte, aus gedruckten Büchern abschrieb. Nichtsdestoweniger
hat dieser Codex einen bedeutenden Werth für die ungrische Literatur,
da er zwei epische Gedichte enthält, welche in allen Exemplaren
verloren gegangen (was erweislich mit manchen ungrischen
Schriften des XVI. Jahrhunderts geschah) und meines Wissens
blos durch diese Sammlung erhalten sind; ausserdem liefern
aber ähnliche Sammlungen (deren wir auch hier zu Lande welche
besitzen) oft wichtige Correctionen und Varianten für Texte, die
uns mitunter blos in fehlerhaften, sehr nachlässigen Nachdrücken
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