4T1)
viel vom Kriegswesen zn verstehen, sprach lang, breit, dunkel.
Dabei war er unbestechlich, dem Vortheile und dem Ruhm des
Hauses Oesterreich, dem er sein Glück verdankte, aufrichtig
ergeben; er besass eine lebendige Einbildungskraft, hatte viele
Ideen, die er nicht immer auszuführen wusste. „II a engage la
Cour ä plus d’ une fausse demarche”, sagt Podewils. Sein Einfluss
war mächtig seit Prinz Eugen’s Tode. Als Maria Theresia die
Regierung antrat, gewann Bartensteiri in der schwierigen Lage,
in welcher die Grösse und die Zukunft der Dynastie auf dem Spiele
stand, das Vertrauen der jungen Fürstin durch die Leichtigkeit,
seine Gedanken schriftlich uud mündlich auszudrücken, durch
seinen Fleiss, durch die Ehrerbietung, die er für die Meinung der
Königin hatte, durch die Begeisterung für die Interessen ihres
Hauses. Er leitete die Geschäfte Oesterreichs und da Colloredo
wenig verstand auch die Reichssachen mit unumschränkter Mach).
Bis 1736 war er für die Verbindung mit den Seemächten. Später
näherte er sich immer mehr Frankreich; er konnte 1740 nicht
glauben, dass Frankreich seinen traktatmässigen Verpflichtungen
nicht nachkommen werde, so dass Robinson von ihm sagte: „He
is french mad!” Friedrich II. hatte ihn von den Conferenzen mit
Graf Götter ausseliliessen wollen. Er hasste Friedrich und sprach
1740 offen den Satz aus, Preussen ganz zu entwaffnen. Die Ruhe
und Umsicht des Staatsmannes verliess ihn häufig. In den Jahren
1746, 1747 hatte er schon viel von seinem Einflüsse verloren.
Man bezeichnete damals Graf Harrach und Baron Wasner als die
\achfolger in Ulefeld's und Bartenstein’s Stellen, Baron Wasner
war lange Botschafter in England uud kam nach dem Schlüsse des
Aehener Friedens nach W 7 ien -zurück. Er war ein Diplomat aus
Eugens Schule, welche immer den Gedanken einer Verbindung
Oesterreichs und Deutschlands mit den Seemächten als einer
eigentlichen Verfassung von Europa zum Schutze allgemeiner
Freiheit und Gerechtigkeit aufrecht hielt. Podewils täuschte sich
sehr, als er von Bartenstein schrieb: „Il-y-a toute apparence,
que ce secretaire d’ etat se soutiendra jusqu’ ä sa mort”. Bartensteins
Muthwille und Anmassung in öffentlichen Geschäften erregten
zur Zeit des Aachner Congresses die Unzufriedenheit der Kaiserin.
Sie suchte einen Mann, der durch seine Unbescholtenheit, seine
Fähigkeiten und seinen Rang berufen war, der österreichischen