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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Johann  Christoph  Hartenstein,  Sohn  eines  StrassbnrgeP
Professors  kam  1714  arm  und  unbekannt  nach  Wien.  Coxe  sagt,
dass  er  die  Aufmerksamkeit  des  Grafen  Stahremberg  zuerst  durch
Führung  eines  Rechtsstreites  auf  sich  gezogen  habe.  Podewils
berichtet,  er  sei  zuerst  Lehrer  im  Hause  des  Baron  Palm  gewesen,
der  ihn  dem  Grafen  Starhemberg  empfohlen  habe.  Dieser  nahm
ihn  als  Sekretär  auf  und  beförderte  ihn  bald  zum  Regierungsrath
und  Hofrath.  Er  verfasste  mehrere  diplomatische  Schriften,  welche
seine  reichen  Kenntnisse  im  öffentlichen  Rechte  nud  in  der  österreichischen ­
  Geschichte  darlegten.  Graf  Sinzendorf  nahm  ihn  ins
Ministerium;  der  Kaiser  ernannte  ihn  zum  Staatssekretär.  In  dieser
Stelle  gewann  er  bei  der  Nachlässigkeit  des  Ministers  weiten
Spielraum  für  die  Entwicklung  und  Anwendung  seiner  ausgezeichneten ­
  Anlagen.  Er  studirte  die  Interessen  des  österreichischen
Hofes  und  wusste  sich  bald  in  die  volle  Gunst  Kaiser  Carl  VI.  zu
setzen.  Podewils  berichtet,  dass  die  Idee  der  pragmatischen
Sanction  von  dem  Advokaten  Stilern,  Vater  des  Grafen  gleichen
Namens  ausgegangen  sei  und  Bartenstein  durch  seine  diplomatische
Gewandtheit  für  die  Garantie  derselben  bei  den  meisten  europäischen ­
  Höfen  gewirkt  habe.  Er  kannte  viele  Spitzfindigkeiten
und  Formen,  wodurch  er  den  Gang  der  Unterhandlungen  beschleunigen ­
  und  verzögern  konnte.  Bald  huldigte  ihm  alles,  Minister
und  Prinzen  des  Reichs;  obwohl  in  einer  untergeordneten  Stellung
erhielt  er  wie  die  kaiserlichen  Minister  die  Mittheilungen  der  auswärtigen ­
  Mächte,  Prinz  Eugen  und  der  Bischof  von  Bamberg  und
Würzburg,  Graf  Schöuborn  opponirten  ihm  heftig.  Bartenstein
war  so  mächtig,  dass  er  den  letzteren,  der  ihn  persönlich  beleidigthatte, ­
  dahin  brachte,  seine  Stelle  als  Reichsvicekanzler  niederzulegen ­
  ;  ja  er  durfte  es  wagen,  als  Franz  Stephan  sich  weigerte,
Lothringen  gegen  Toskana  zu  vertauschen,  diesem  zu  sagen:  keine
Abtretung,  keine  Erzherzogin.
Zur  Zeit,  als  Podewils  über  ihn  an  Friedrich  den  Grossen
berichtete,  war  Bartenstein  60  Jahre  alt,  aber  noch  rüstig  und
thätig.  Der  Graf  schildert  ihn  wie  Robinson  in  seinen  Dispatches
heftig,  satyrisch,  unversöhnlich,  eifersüchtig,  von  einem  unbe*
gränzten  Ehrgeize  durchglüht,  den  er  aber  unter  einem  glatten
bescheidenen  Aeusseren  zu  verbergen  wusste.  Seine  Schriften,
durch  die  er  sich  gehoben  hatte,  machten  ihn  eitel;  er  glaubte
            
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