Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

477

Gral’Rudolph  Joseph  Colloredo,  Starhemberg’s  Schwiegersohn ­
  war  Reichsvizekanzler.  Podewils  nennt  ihn  einen  offenen
grössherzigen,  edlen  Charakter,  aber  hartnäckig,  untüchtig.  Hautefort,
  der  französische  Gesandte,  der  ihn  später  kennen  lernte,
schildert  ihn  höchst  unfleissig,  kenntnisslos,  eitel,  glänzend,  im
eigentlichen  Sinne  des  Wortes  einen  grossen  Herrn.  *)  Bei  der
Kaiserin  stand  er  wegen  seiner  Vergnügungssucht  und  seiner  Galanterien ­
  in  keinem  grossen  Ansehen.  Der  Kaiser  schätzte  ihn
hoch.  Er  wurde  später  in  den  Fürstenstand  erhoben.
Graf  Kinsky  früher  Gesandter  in  Paris,  London,  dann
Kanzler  von  Böhmen,  hatte  nach  Starhembergs  Tode  die  Finanzverwaltung ­
  der  Erbstaaten  übernommen.  Die  Kaiserin  hielt  viel
auf  seinen  Rath.  Er  war  ein  heftiger  Gegner  Friedrichs  II.  „II  opina
toujours  dans  les  Conferences  qu’  il  ne  falloit  pas  ceder  un  pouce
de  terre  ä  Votre  Majeste”,  schreibt  Podewils.  Coxe  citirt  von  ihm
denselben  Hauptgrundsatz.  Kinsky  hatte  seine  Abneigung  gegen
das  Haus  Brandenburg  schon  unfer  Carl  VI.  am  Londoner  Hofe
erwiesen.  Von  seiner  Finanzverwaltung  sagt  Podewils,  dass  er  sich
zu  viel  mit  Detailgegenständen  beschäftige.
Graf  Job.  Jos.  Kevenliüller,  Oberstkämmerer  des  Kaisers  und
der  Kaiserin,  mischte  sich  wenig  in  die  Geschäfte.  Er  war  Bartenstein
sehr  untergeben.  Der  Kaiser  u.die  Kaiserin  hielten  ihn  wegen  seines
gefälligen,  leichten,  liebenswürdigen  Charakters  in  hoher  Achtung.
Graf  Bathiany,  Hofmeister  des  Erzherzogs  Joseph  war  im
politischen  Leben  ohne  Bedeutung.  Er  verstand  sich  besser  auf
den  Krieg  als  auf  die  eigentlichen  Staatsgeschäfte.
Die  Seele  des  ganzen  Ministeriums  war  Baron  B  a  r  t  e  n  s  t  e  i  n,
dessen  Leben  und  Einfluss  Graf  Podewils  in  der  Relation  vom  19.
August  1747,  XIII.  beschreibt.  In  der  Bcurtheilung  seines  Charakters ­
  zehrt  der  Gesandte  Friedrichs  II.  seine  volle  Menschenkeuntniss,
  seinen  praktischen  Blick.  In  Form  unb  Gestalt  ist  diese
Darstellung  die  ausgeseichnetste  der  ganzen  Sammlung;  sie  stimmt
im  Wesentlichen  mit  allen  anderen  Nachrichten  über  die  Persönlichkeit ­
  dieses  einflussreichen  Mannes  überein.  Podewils
musste  mit  Personen  verkehren,  welche  unmittelbar  bei  Hofe  Einfluss ­
  hatten  und  ihm  diese  Notizen  verschaffen  konnten.

)  Schlosser  II,  292.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.