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Gral’Rudolph Joseph Colloredo, Starhemberg’s Schwiegersohn
war Reichsvizekanzler. Podewils nennt ihn einen offenen
grössherzigen, edlen Charakter, aber hartnäckig, untüchtig. Hautefort,
der französische Gesandte, der ihn später kennen lernte,
schildert ihn höchst unfleissig, kenntnisslos, eitel, glänzend, im
eigentlichen Sinne des Wortes einen grossen Herrn. *) Bei der
Kaiserin stand er wegen seiner Vergnügungssucht und seiner Galanterien
in keinem grossen Ansehen. Der Kaiser schätzte ihn
hoch. Er wurde später in den Fürstenstand erhoben.
Graf Kinsky früher Gesandter in Paris, London, dann
Kanzler von Böhmen, hatte nach Starhembergs Tode die Finanzverwaltung
der Erbstaaten übernommen. Die Kaiserin hielt viel
auf seinen Rath. Er war ein heftiger Gegner Friedrichs II. „II opina
toujours dans les Conferences qu’ il ne falloit pas ceder un pouce
de terre ä Votre Majeste”, schreibt Podewils. Coxe citirt von ihm
denselben Hauptgrundsatz. Kinsky hatte seine Abneigung gegen
das Haus Brandenburg schon unfer Carl VI. am Londoner Hofe
erwiesen. Von seiner Finanzverwaltung sagt Podewils, dass er sich
zu viel mit Detailgegenständen beschäftige.
Graf Job. Jos. Kevenliüller, Oberstkämmerer des Kaisers und
der Kaiserin, mischte sich wenig in die Geschäfte. Er war Bartenstein
sehr untergeben. Der Kaiser u.die Kaiserin hielten ihn wegen seines
gefälligen, leichten, liebenswürdigen Charakters in hoher Achtung.
Graf Bathiany, Hofmeister des Erzherzogs Joseph war im
politischen Leben ohne Bedeutung. Er verstand sich besser auf
den Krieg als auf die eigentlichen Staatsgeschäfte.
Die Seele des ganzen Ministeriums war Baron B a r t e n s t e i n,
dessen Leben und Einfluss Graf Podewils in der Relation vom 19.
August 1747, XIII. beschreibt. In der Bcurtheilung seines Charakters
zehrt der Gesandte Friedrichs II. seine volle Menschenkeuntniss,
seinen praktischen Blick. In Form unb Gestalt ist diese
Darstellung die ausgeseichnetste der ganzen Sammlung; sie stimmt
im Wesentlichen mit allen anderen Nachrichten über die Persönlichkeit
dieses einflussreichen Mannes überein. Podewils
musste mit Personen verkehren, welche unmittelbar bei Hofe Einfluss
hatten und ihm diese Notizen verschaffen konnten.
) Schlosser II, 292.