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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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erhoben  in  Erinnerung  an  die  Treue  seines  Vaters,  der  mit  ihm
in  Spanien  gewesen;  die  Gunst  des  Kaisers,  das  Misstrauen  gegen
die  anderen  Minister  und  die  Gewandtheit  Bartensteins,  der  um
seinen  Einfluss  aufrecht  zu  erhalten  gerne  einen  Mann  wollte,  der
sein  Amt  nicht  ganz  auszulullen  vermochte,  brachten  ihn  zur  Leitung ­
  der  auswärtigen  Verhältnisse  des  Staates.  Die  öffentliche
Stimme  und  die  Wünsche  des  Hofes  waren  auf  den  Grafen  Harrach
gerichtet.  Ulefeld  war  ein  durchaus  ehrlicher  Charakter,  der  nur
das  Rechte  wollte  und  seiner  Herrin  treu  diente;  aber  er  fasste
schwer,  seine  Ideen  waren  verworren,  seine  Fassungskraft  gering.
„II  est  difficile  de  traiter  avec  lui”,  sagt  Podewils.  Bei  mündlichen
Verhandlungen  kam  er  in  Verlegenheit,  wusste  keinen  schnellen  Entschluss ­
  zu  fassen,  sprach  in  abgerissenen  Sätzen,  unbestimmten  Ausdrücken. ­
  „II  en  a  leve  les  epaules  en  me  disant”,  schrieb  Blondel
an  den  französischen  Hof 1 ).  Dabei  war  er  eitel,  ränkevoll,  liebte
das  Gelieimnissvolle.  Sein  Hang  zur  Pracht  und  zum  Vergnügen
hatten  sein  Vermögen  in  Unordnung  gebracht;  er  war  daher  immer
abhängig.  Er  wurde  ganz  von  Bartenstein  geleitet  und  war  ihm
unterthänig  wie  gegen  andere  herrisch.  Maria  Theresia  wusste
recht  wohl,  dass  seine  Fähigkeiten  für  seinen  Posten  nicht  ausreichten ­
  ,  aber  sie  hielt  ihn  für  einen  ehrlichen  Menschen.  Sie
nannte  ihn  nur  „le  bon  komme”.  Als  die  Kaiserin  das  leuchtende
Genie  des  Grafen  Kaunitz  kennen  lernte  und  ihn  an  sich  zoff,  wurde
Ulefeld  Oberhofmeister  und  nahm  keinen  reellen  Einfluss  mehr.  —
Graf  Harrach  war  oberster  Kanzler  von  Böhmen.  Podewils
nennt  ihn  den  geistvollsten  Minister  am  österreichischen  Hofe
und  spricht  mit  hoher  Achtung  von  seinen  Talenten  und  seinen  Verdiensten, ­
  diesen  allein  hatte  er  seine  Stellung  zu  verdanken.  Robinson ­
  nennt  ihn  geschmeidig,  mit  dem  Strome  schwimmend,
schreibt  ihm  aber  auoh  die  Fähigkeit  zu,  die  oberste  Leitung  der
Geschäfte  zu  übernehmen,  wozu  er  nicht  viele  Aussichten  hatte.
Er  war  früher  Gesandter  in  Turin,  Regensburg.  Carl  VI.  ernannte
ihn  zum  Obersthofmeister  der  Erzherzogin  Marie  Elisabeth,  Statthalterin ­
  der  Niederlande.  Maria  Theresia  übertrua:  ihm  die  Stelle
eines  obersten  Kanzler  von  Böhmen,  um  ihn  wieder  an  den  Hof  zu
fesseln  und  seine  Kenntnisse  im  Centrum  benützen  zu  können.

*)  Schlosser,  Geschichte  des  18.  Jahrh.  II.  229.
            
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