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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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rechten  bringen,  wo  die  ungarischen  Truppen  gegenüber  standen  «).
Der  Hauptgewinn  des  Sieges  lag  für  Friedrich  II.  nur  darin,  dass
er  sein  Heer  durch  die  unwegsamen  Gebirge  zurückführen  konnte.
Prinz  Carl  war  vermalt  mit  der  Erzherzogin  Marie  Anna
der  Schwester  der  Kaiserin,  die  er  lange  geliebt.  Sie  war  liebenswürdig ­
  und  sanft,  aber  ihre  Vereinigung  mit  Carl  dauerte  nur
kurz,  denn  sie  starb  schon  1744  im  Kindbett.
Prinzessin  Charlotte  von  Lothringen  war  ihren  Brüdern ­
  nach  Wien  gefolgt.  Sie  lebte  immer  in  der  Umgebung  des
Kaisers,  denn  sie  liebte  und  schätzte.  Sie  war  nicht  gerne  in
Wien;  ihre  Sehnsucht  zog  sie  nach  Lothringen.  Eine  Zeit  sprach
man  davon,  dass  sie  den  Herzog  von  Orleans  lieirathen  sollte.
Sie  starb  als  Aebtissin  von  Remiremont.
Als  Maria  Theresia  zur  Regierung  kam,  waren  die  Conferenz-
  und  Kabinetsminister:  Graf  Sinzendorf,  Graf  Starhemberg, ­
  die  beiden  Grafen  Harrach  und  Graf  Königseck.
Sinzendorf,  Harrach  und  Königseck  waren  nach  dem  Tode  Prinz
Eugens  ins  Ministerium  eingetreten.  Sie  besassen  nicht  die  Eigenschaften, ­
  durch  welche  sie  sich  das  Zutrauen  der  jungen  Fürstin,
welche  geistreich  war,  die  Staatsgeschäfte  kannte,  und  selbstständig ­
  kandeln  wollte,  hätten  erwerben  können.  Ihre  Treue  war
untadelhaft,  aber  alle  waren  zu  schwach  um  Maria.Theresia  begeistern ­
  oder  ihren  grossen  Sinn  leiten  zu  können.  Sie  fühlten
bald  ihre  Kraft  und  Selbständigkeit.  Maria  Theresia  hatte  so
wenig  Vertrauen  zu  ihrem  Ministerium  wie  Carl  VI.  und  führte
wie  Ludwig  XV.  Unterhandlungen,  von  denen  ihre  Minister  nichts
wussten.  In  der  Wahl  ihrer  Vertrauten  war  sie  immer  glücklich,
niemand  hat  sie  getäuscht.  Im  Ministerium  selbst  war  wie  unter
Carl  VI.  Zwiespalt  und  Hass.  Königseck  und  Kevenhüller,
Kinski  mit  Harrach  standen  diesen  und  Bartenstein  gegenüber
Graf  Sinzendorf,  der  nach  Prinz  Eugens  Tode  die  Leitung
der  auswärtigen  Angelegenheiten  übernahm,  lebte  mehr  seinem
Vergnügen  als  seiner  Pflicht;  sein  grosser  Zweck  war  sein  Ansehen ­
  zu  behaupten  und  den  verhassten  Bartenstein  zu  stürzen.
Schon  Carl  VI.  hatte  ihm  Verachtung  und  Abneigung  bewiesen.
Er  hatte  viele  abenteuerliche  Pläne;  so  wollte  er  nach  dem  Tode
seiner  Frau,  als  er  viel  Vermögen  verloren  hatte,  Cardinal  werden.
*)  Raumer’s  Beiträge  II.  222.
            
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