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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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bcsass.  „Seine  natürliche  Lässigkeit,  sagt  Coxe,  sein  geringer  Ehrgeiz
vertrugen  sich  mit  diesem  Zustande  politischer  Unbedeutenheit.”
So  wenig  er  ein  grosser  Feldherr  war,  so  sehr  war  er  ein
grosser  Finanzmann.  Die  Erbschaft  von  seiner  Tante  verschaffte
ihm  ein  grosses  Privatvermögen,.  das  er  durch  weise  Sparsamkeit
und  geordneten  Haushalt  bedeutend  vergrösserte.  Er  hatte  grosse
Summen  in  der  Bank  von  Amsterdam,  von  Genua  und  Venedig
angelegt  und  streckte  der  Kaiserin  in  Kriegszeiten  bedeutende  Capitalien ­
  vor.  Es  ist  bekannt,  dass  Friedrich  der  Grosse  von  dem
Kaiser  seiner  merkantilen  Anlagen  wegen  mit  bitterem  Spotte
sprach  und  ihm  in  den  Oeuvres  posthumes  III.  26.  zur  Last  legte,
er  hätte  bei  dem  Beginne  des  siebenjährigen  Krieges  durch  Unterhändler ­
  Lieferungen  für  das  Heer  des  Königs  von  Preussen,  der
mit  der  Kaiserin  Krieg  führte,  übernommen.  Bei  den  vielen  Unter.-schleifen
  am  Wiener  Hofe  war  des  Kaisers  financielles  Talent  von
den  wohlthätigsten  Folgen;  er  entliess  eine  Schaar  von  Müsssiggängern,
  wodurch  grosse  Summen  erspart  wurden,  und  machte
die  Kaiserin  auf  die  Gebrechen  der  Finanzverwalturg  aufmerksam.
1747  überliess  sie  ihm  ohne  Rücksicht  auf  die  Eifersucht  des  hohen
Adels,  der  Franz  I.  als  einem  Fremden  immer  abgeneigt  war,  die
Reform  der  Art  der  Erhebung  der  Steuern.  Joseph  der  II.  erbte
seinen  ganzen  Reichthum;  er  verbrannte  davon  22  Millionen  Gulden ­
  in  Coupons  —  wie  man  damals  die  Staatspapiere  nannte 1 ),
Franz  der  I.  war  niemals  ein  so  beharrlicher  Feind  des  Königs
von  Preussen  als  Maria - Theresia;  er  bewunderte  Friedrichs  grossen ­
  militärischen  Geist  und  suchte  seine  toskanischen  Truppen
nach  dem  Muster  der  preussischen  einzurichten.  Ihm  war  Frankreich ­
  vor  allem  verhasst,  er  konnte  nie  der  Unbilden  vergessen,
die  sein  Haus  von  den  Bourbons  erfahren.
Des  Kaisers  Liebe  zum  Ileichthume  verschloss  sein  Herz  nicht
gegen  die  Wohlthätigkeit;  er  theilte  jährlich  bedeutende  Summen
unter  die  Armen  aus,  und  die  Züge,  welche  die  annales  du  regne
de  Marie  Therese  enthalten,  zeigen,  dass  er  bei  Feuers-oder
Wassergefahr  nicht  .Stand  noch  Leben  achtete.  Er  starb  plötzlich
zu  Innsbruck  am  18.  August  1765.  Maria  Theresia  schrieb  an  eine
ihrer  Töchter:  „Zusammen  erzogen  hatten  wir  immer  gleichen

l )  Mailäth.  Geschichte  Oesterreichs  V.  125.
Sitzb.  tl  phiios.-histor.  CI.  Jahrg.  1820.  II.  B?1  III.  lieft.  25
            
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