Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

470

ihren  Formen  und  Entwicklungen  zu  überschauen.  Sie  hatte  von
den  ersten  Jahren  ihrer  Regierung  an  Pläne  zur  Reorganisation
der  Finanzen  und  des  Kriegswesens,  aber  Generäle  und  Minister
hatten  zu  viel  Interesse,  zu  opponiren  und  die  Hindernisseals
unübersteiglich  darzustellen.  Podewils  vergisst  nicht  ihrer  stillen
Tugenden,  ihrer  unbegrenzten  frommen  Liebe  zur  Religion  und  den
Menschen,  ihrer  Liebe  zu  ihren.  Kindern  und  dem  Kaiser  zu  gedenken. ­
  Ihre  Schwächen  sind  nur  schwache  Schattenlinien  in  ihrem
Charakter.  Ihre  Intoleranz  gegen  andere  religiöse  Bekenntnisse
hatte  theilweise  ihren  Grund  in  -der  allgemeinen  Reaction,  welche
seit  dem  unglücklichen  Türkenkriege  in  Wien  gegen  die  Protestanten ­
  laut  wurde.  Graf  Podewils  erzählt,  dass  sie  nach  dem
Breslauer  Frieden  stolzer,  herrschsüchtiger  wurde  und  die  frühere
Hingebung  manche  Schwächung  erhielt.  Wie  immer  hatte  nach
den  Kriegen  die  Spannung  aufgehört,  in  welcher  aller  Augen  sich
nur  auf  einen  Gipfelpunct  richten,  die  Furchtsamen  um  eine  Stütze
zu  haben,  die  Muthigen,  um  sich  in  ihrem  Hochsinne  zu  erheben.
Als  die  Gefahr  entfernt  war,  trat  der  Egoismus,  die  Leidenschaft
zu  Tage.  Die  edle  Wechselwirkung  aller  Stände  im  siebenjährigen ­
  Kriege  ist  ein  Beweis,  wie  hoch  ihr  Wille  auch  später  in
allen  Landen  gehalten  wurde.  —
Die  Relation  vom  15.  Februar  1747  berichtet  über  den
Kaiser  Franz  I.  Der  hervorleuchtendste  Zug  seines  Charakters
war  Mässigung;  sie  sprach  aus  seinem  Privatleben  wie  aus  seinen
öffentlichen  Handlungen.  Obwohl  frühzeitig  am  Wiener  Hofe  in
die  Staatsgeschäfte  eingeweiht,  kam  in  seine  Seele  nie  der  leidenschaftliche ­
  Ehrgeiz,  der  die  Ruhe  seiner  Seele  seine  Friedens  -  und
Kunstliebe  getrübt  hätte.  Er  hasste  jede  Etiquette;  der  Rang,  den
ihm  die  deutsche  Kaiserkrone  verlieh,  schien  ihn  eher  zu  drücken
Er  war  heiter,  höflich,  kalt  gegen  Fremde,  voll  Vertrauen  gegen
alle,  denen  er  seine  Neigung  zugewendet  hatte.  Podewils  erzählt,
dass  er  einem  Irländer  Ogara,  dem  er  besonders  seine  Gunst  zugewendet ­
  hatte,  eine  Pension  von  20000  fl.  versprach,  wenn  er  bei
ihm  bleiben  wolle.
ln  Staatsgeschäften,  welche  unmittelbar  die  Erbländer  betrafen,
hatte  er  keine  gewichtige  Stimme.  Maria  Theresia  hütete  mit  Eifersucht ­
  die  Grenzen  ihrer  Machtfülle.  Er  nahm  auch  niemal*  den
Schein  einer  grösseren  Macht  an,  als  die  er  in  der  Wirklichkeit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.