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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Die  schöne  französische  Abschrift  befand  sich  früher  auf  dem
Schlosse  Gusow  in  Brandenburg,  das  den  Grafen  von  P  o  d  e  w  i  1  s
gehörte.  Das  Schloss  kam  durch  Erbschaft  an  das  fürstliche  Haus
Schönburg  und  die  Correspondenz  in  das  Familien-Archiv  Sr.
Durchlaucht  des  Fürsten  S  chönburg,  Hartenstein  zu  Cernowicz
  in  Böhmen.  Die  fürstliche  Familie  gestattete  mir  grossmüthig
  die  Herausgabe  des  Manuskriptes.  —
Die  Relation  vom  18.  Jan.  1747  enthält  das  Portrait  der
Kaiserin  Königin.  Graf  Podewils  zeichnet  sie  in  der  ganzen
Schönheit  und  Würde  ihrer  Gestalt,  in  dem  vollen  Zauber  ihres
Wesens.  Sie  war  damals  30  Jahre  alt;  in  ihrer  Gesichtsbildung
lebte  die  volle  Anmuth,  die  Stärke  und  Reinheit  ihrer  Seele;  Niemand ­
  konnte  ihrer  Zauberstimme,  der  Hoheit  ihres  Wesens  widerstehen. ­
  „En  montant  sur  le  tröne  eile  trouva  le  secret  de  se  faire
aimer  et  admirer  de  tout  le  monde”,  sagt  P  o  d  e  wils.  Herablassend,
liebreich,  fromm,  wohlhätig,  muthig,  hochsinnig,  freigebig  wie
sie  in  ihrer  Jugend  und  im  Alter  war,  hatte  sie  die  Herzen  der
Unterthanen  für  sich  gewonnen.  Jeder  war  glücklich,  der  mit  ihr
sprechen  konnte.  Es  war  eine  herrliche  Zeit  in  Oesterreich,  als
in  den  Jahren  des  Erbfolgekrieges  alle  Stände,  alle  Provinzen
wetteiferten,  für  die  Erhaltung  der  Dynastie,  für  die  Kraft  und  den
Ruhm  des  Vaterlandes  mitzuwirken.  „Les  etats  contribuerent  ä  ses
besoins  tout  ce  qu’il  leur  etoit  possible;  le  peuple  souffrit  les
impots  sans  murmurer,  les  grands  avancerent  de  1’argent”.  Das
Volk  lebte  in  ihr;  sie  fasste  die  Einheit  des  Volkes  in  sich.  Sie
regierte  nicht  mit  Begriffen,  sondern  mit  Thaten,  und  ihre  Thaten
sagt  Schlegel,  haben  das  salische  Gesetz,  welches  die  Frauen  vom
Throne  ausschliesst,  am  besten  widerlegt.  Das  Andenken  an  ihre
Standhaftigkeit  ist  zu  neu,  als  dass  es  einer  erneuerten  Darstellung
bedürfte.  Wenn  daher  Podewils  sagt:  „Elle  affecta  une  grande  force
d’esprit”,  so  liegt  darin  nur  ein  indirectes  Lob  des  grossen  Gegners ­
  der  Kaiserin.  Joseph  II.  schrieb  später  an  Friedrich  :  „Meine
Mutter  hatte  keinen  anderen  Schutz  als  die  Grösse  ihrer  Seele  und
die  Treue  ihrer  Völker.”  Sie  betrachtete  sich  als  das  lebendige
Gesetz  und  ihre  männliche  Seele  hielt  die  Zügel  der  Herrschaft
immer  fest,  auch  wenn  der  Kaiser  im  Rathe  sass.  Ihr  lebhafter
feuriger  Geist,  ihre  Gewandtheit  in  Geschäften,  ihr  treues  Gedächtnis ­
  machten  es  ihr  möglich,  die  Staatsverwaltung  in  allen
            
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