Sitzung vom 30. October 1850.
Herr k. Rath Bergmann legt einen ihm übergebenen Aufsatz
des corresp. Mitgliedes Hrn. Schlager vor, dessen Lesung
er beginnt und mit folgenden Worten einleitet:
Das verehrte, um Wien’s Specialgeschichte durch seine quellengemässen
Forschungen vielfach verdiente correspondirende
Mitglied Hr. Johann Evangelist Schlager übergab mir jüngst seine
Materialien zur österreichischen Kunstgeschichte
von der zweiten Hälfte des XVI bis nahe zu jener des XVIII.
Jahrhunderts, die der fleissige Forscher aus den auch anderweitig
interessanten Ausgaben - Verzeichnissen des kaiserlichen
Hofes gesammelt, geordnet und Namen an Namen alphabetisch
gereiht hat.
Diese Ausgaben-Verzeichnisse vom Kaiserhofe zu Wien sind
vollständig, die von dem zu Prag aber nur theilvveise vorhanden,
und zwar die derjenigen Ausgaben, die von Seite der kaiserlichen
llofzahlmeister aus den Einkünften der Krnnländer bestritten wurden.
Leider fehlen grösstentheils die Verzeichnisse der Ausgaben,
die die „gehaimbe Kammer”, der Obersthofineister und geheimer
Kammer-Zahlmeister aus der Privat-Chatoulle machten.
Um eine volle Uebersicht über diese Künstlerverhältnisse zu
gewinnen, müsste man auch die geheimen KammerrRechnungen
von den Höfen zu Innsbruck und Grätz zur Hand haben.
Von Kaiser Karl VI., unter dem, freilich unter bedeutender Beisteuer
der einzelnen Provinzen, die Karlskirche in Wien, die Hofbibliothek,
die kaiserliche Reitschule und Reichskanzlei mit ihren Kunstattributen
und Wandgemälden entstanden, findet man kaum die
Spur einer einzigen kleinen Ausgabe von 325 fl. im J. 1717 an
den Kammermaler Joseph Hack für die Wiege der Prinzessin Maria
Theresia.
So erfährt man aus solchen geheimen Kammerrechnungen
die näheren Daten über die erste Email - Malerei in Wien
durch den Maler Schuerecht im J. 1710. Ferner bringt Herr
Schlager mehrere Notizen über das Institut der Hofkünst ler
bei, das nach den Wiener Grundbüchern bis in die Regierungszeit
des Herzogs Rudolph IV. (1360) hinaufreicht.