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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

dann  als  verschiedene  erscheinen  könnten.  Denn  wäre  die  Substanz ­
  Xals  Trägerin  der  Merkmala  a,  b,  c  wirklich  ganz  dieselbe
wie  die  Substanz  X',  welche  die  Merkmale  a!,  6',  d  an  sich  hat,  woher ­
  kommt  es,  dass  jene  gerade  a,  b,  c  und  nichta',  b‘,  c'  hat?  oder
um  ein  Beispiel  aus  der  Physik  zu  entlehnen,  wenn  die  Schwingungen ­
  des  Aethers  ,  welche  die  rothe  Farbe  erzeugen,  wirklich
dieselben  wären,  welche  das  Violette  hervorbringen,  warum  erzeugen ­
  jene  gerade  das  Roth  und  nicht  das  Violet?  Die  Mannigfaltigkeit
nicht  nur,  auch  die  qualitative  Verschiedenheit  des  Scheins,  die  sich
uns  auf  eineWeise  aufdrängte,  dass  sie  nicht  blos  in  unsern  eigenen
Organen  gegründet  sein  kann,  zwingt  uns  mit  siegender  Gewalt,
der  Annahme  des  Monismus  entgegen,  nicht  nur  eine  Mehrheit,
sondern  auch  eine  qualitative  Verschiedenheit  metaphysischer
Grundprincipien  vorauszusetzen.  Indess  der  Monadismus  nach  Angabe ­
  des  unwiderstehlichen  und  nicht  hinwegzuleugnenden  Scheines ­
  Unzusammengehöriges  scheidet,  bleibt  .dem  Monismus,  der
für  alle  Mannigfaltigkeit  nur  eine  Einheit  hat,  kein  anderes
Mittel  als  Widersprechendes  zu  vereinen,  oder  wie  es  seine
jüngsten  Bearbeiter  gethan,  im  Widerspruch  die  Wahrheit  zu
finden.  Dem  unparteiischen  Forscher  muss  es  überlassen  bleiben,
zu  fragen,  welcher  von  Beiden  hiebei  der  Wahrheit  näher  komme. ­
  Einen  eigentümlichen  Eindruck  macht  es  aber,  zu  sehen,
wie  erst  in  neuester  Zeit  sich  ein  Denker,  Thomas  in  Königsberg, ­
  bemüht  w 7 ar,  den  Spinozismus  dadurch  von  seinen  inneren ­
  Widersprüchen  zu  retten,  dass  er  nachzuweisen  suchte,
Spinoza  selbst  sei  kein  Spinozist  gewesen.  Dieser  paradoxe
Ausspruch  gründet  sich  auf  die  Behauptung,  dass  Spinoza  selbst
keineswegs  die  Einheit,  sondern  nur  die  Unerschaffenheit  der
Substanz  gelehrt  und  die  Mehrheit,  ja  unendliche  Vielheit  metaphysischer ­
  Grundprincipien  behauptet  habe.  Schreiber  dieses
hofft,  wenn  es  die  verehrte  Classe  ihm  gestattet,  in  einem
nachfolgenden  Vortrage  eine  Reihe  von  Widersprüchen,  welchen
Spinoza  durch  die  Annahme  einer  einzigen  Substanz  nicht  zu
entgehen  vermag,  zur  Prüfung  vorzulegen.
Herr  Dr.  Schinidl  hält  einen  Vortrag:  „Geschichte  der
Adelsberger  Grotten  aus  Urkunden”.
            
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