dann als verschiedene erscheinen könnten. Denn wäre die Substanz
Xals Trägerin der Merkmala a, b, c wirklich ganz dieselbe
wie die Substanz X', welche die Merkmale a!, 6', d an sich hat, woher
kommt es, dass jene gerade a, b, c und nichta', b‘, c' hat? oder
um ein Beispiel aus der Physik zu entlehnen, wenn die Schwingungen
des Aethers , welche die rothe Farbe erzeugen, wirklich
dieselben wären, welche das Violette hervorbringen, warum erzeugen
jene gerade das Roth und nicht das Violet? Die Mannigfaltigkeit
nicht nur, auch die qualitative Verschiedenheit des Scheins, die sich
uns auf eineWeise aufdrängte, dass sie nicht blos in unsern eigenen
Organen gegründet sein kann, zwingt uns mit siegender Gewalt,
der Annahme des Monismus entgegen, nicht nur eine Mehrheit,
sondern auch eine qualitative Verschiedenheit metaphysischer
Grundprincipien vorauszusetzen. Indess der Monadismus nach Angabe
des unwiderstehlichen und nicht hinwegzuleugnenden Scheines
Unzusammengehöriges scheidet, bleibt .dem Monismus, der
für alle Mannigfaltigkeit nur eine Einheit hat, kein anderes
Mittel als Widersprechendes zu vereinen, oder wie es seine
jüngsten Bearbeiter gethan, im Widerspruch die Wahrheit zu
finden. Dem unparteiischen Forscher muss es überlassen bleiben,
zu fragen, welcher von Beiden hiebei der Wahrheit näher komme.
Einen eigentümlichen Eindruck macht es aber, zu sehen,
wie erst in neuester Zeit sich ein Denker, Thomas in Königsberg,
bemüht w 7 ar, den Spinozismus dadurch von seinen inneren
Widersprüchen zu retten, dass er nachzuweisen suchte,
Spinoza selbst sei kein Spinozist gewesen. Dieser paradoxe
Ausspruch gründet sich auf die Behauptung, dass Spinoza selbst
keineswegs die Einheit, sondern nur die Unerschaffenheit der
Substanz gelehrt und die Mehrheit, ja unendliche Vielheit metaphysischer
Grundprincipien behauptet habe. Schreiber dieses
hofft, wenn es die verehrte Classe ihm gestattet, in einem
nachfolgenden Vortrage eine Reihe von Widersprüchen, welchen
Spinoza durch die Annahme einer einzigen Substanz nicht zu
entgehen vermag, zur Prüfung vorzulegen.
Herr Dr. Schinidl hält einen Vortrag: „Geschichte der
Adelsberger Grotten aus Urkunden”.