Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

463
Substanz  sind,  sondern  nur,  dass  sie  alle  die  Beschaffenheit  haben ­
  ,  unter  dem  Begriff  der  Substanz  zu  stehen,  oder  um  ein  altes
Wort  im  neuern  Sinn  zu  gebrauchen,  dass  sie  alle  drei  „Substanzialität”
  haben.  Das  ist  aber  etwas  ganz  Anderes  ,  .als  Spinoza
will.  Er  behauptet  ihre  Identität  der  Sache  nach,  nicht  ihre  Zusammengehörigkeit ­
  unter  denselben  Begriff,  der  nicht  bloss  drei,
sondern  zahlreiche  ja  unendlich  viele  Gegenstände,  nämlich  wirkliche ­
  Substanzen  haben  kann.  Wir  wünschen  dargcthan  zu  haben,
dass,  indem  er  dies  zu  beweisen  versucht,  er  den  Begriff  der
Substanz  mit  dieser  selbst  verwechselt,  und  ein  rein  logisches
Verhältniss,  in  welchem  der  Begriff  und  seine  Gegenstände  stehen,
auf  die  realen  Substanzen  und  die  allgemeine  Substanzialität,  die
ihre  Natur  ist,  überträgt.  Weil  in  dem  Begriff  jeder  einzelnen
Substanz  derselbe  Bestandtheil:  der  Begriff  der  Substanz  überhaupt ­
  vorkommt,  folgert  er,  dass  die  Gegenstände  dieser  Begriffe,
die  einzelnen  Substanzen,  identisch  seien.  Consequenter  Weise
kann  dies  nur  dann  der  Fall  sein,  wenn  die  Substanz  selbst  und  ihr
Begriff  als  identisch,  als  der  Stoff  angesehen  werden,  der  sowohl
den  Begriffen  der  wirklichen  Dinge  als  diesen  selbst  zu  Grunde
liegt,  avenn  die  Total-Entwicklung  der  natura  naturata  aus  der  alleinen ­
  Substanz  wesentlich  durch  nichts  Anderes  zu  Stande  kommt,
als  durch  die  sich  selbt  fortbestimmeude  Determination  des  ursprünglich ­
  leeren  und  doch  alle  Mannigfaltigkeit  in  seinem  Schoose  tragenden ­
  Substanzbegriffs,  avenn  nicht  mit  einem  Wort  der  Substanzbegriff ­
  in  der  That  jener  Indifferenzpunkt  wäre,  welcher  den
Keim  beider  Sphären,  des  Begriffs  und  der  Wirklichkeit,  in  sich
trägt,  deren  Parallelismus  Spinoza  durch  seinen  Hauptsatz  bezeichnete:
  Ordo  et  connexio  rerum  idem  est  ac  ordo  et  connexio
idearum.
Die  Behauptung  des  Spinozismus,  dass  die  mehreren  besonderen ­
  Dingen  zu  Grunde  liegenden  Substanzen  nur  durch  die
Verschiedenheit  ihrer  Affectionen  als  mehrere  erscheinen,
an  sich  aber  nur  eine  seien,  können  wir  sonach  noch  als  unbewiesen ­
  betrachten.  Man  könnte  dies  aber  zugeben  ,  und  doch
meinen,  dass  sie  nach  Abzug  aller  Affectionen  zwar  mehrere,
aber  doch  ununterschiedene  ,  also  wenn  nicht  der  Quantität,
doch  der  Qualität  nach  nur  eine  seien.  Dieser  Ein  wand  wäre
von  Gewicht,  wenn  cs  sich  begreifen  Hesse,  w’ienach  sie  uns
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.