Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

458

sonders  das  letzte  Axiom  ,  das  nur  eine  Variante  des  alten  Canons ­
  ist,  dass  Gleiches  nur  durch  Gleiches  erkannt  werde  ,  gar
sehr  verdient.  Mit  Hilfe  dieser  Axiome  behauptet  Spinoza  zuerst
prop.  II.:  Zwei  Substanzen  mit  verschiedenen  Attributen  haben
nichts  miteinander  gemein  und  beweist  dies  mit  Berufung  auf  die
Erklärung  des  Substanzbegriffs,  weil  keine  Substanz  zu  ihrem
Begriff  des  Begriffs  irgend  einer  andern  bedürfe;  was  aber  durch
einander  nicht  begriffen  werde,  das  habe  nach  ax.  5  auch  nichts
unter  sich  gemein.  Eigentlich  heisst  es  dort  umgekehrt:  Was
nichts  unter  sich  gemein  hat  ,  werde  auch  nicht  durch  sich
begriffen.
In  prop.  III.  heisst  es  weiter:  Von  Dingen,  welche  nichts  mit
einander  gemein  haben,  ist  auch  keines  die  Ursache  des  andern
und  wird  mit  Berufung  auf  ax.  4  dadurch  bewiesen  ,  dass,  weil
sie  nichts  mit  einander  gemein  haben,  also  auch  nicht  Eines  durch
das  Andere  erkannt  werde,  die  Erkeuntniss  der  Wirkung  aber  von
der  Erkennlniss  der  Ursache  abhänge  (ax.  4),  auch  das  Eine  nicht
Ursache  des  Andern  sein  könne.  Spinoza  lässt  hier  nicht  nur
ausser  Acht,  wie  schon  oben  bemerkt,  dass  viel  häufiger  vielmehr ­
  die  Erkenntniss  der  Wirkung  jene  der  Ursache  bedinge  ,  als
umgekehrt,  sondern  er  macht  noch  überdiess  das  Stattfinden
des  CausalVerhältnisses  zwischen  vielen  Din&’en  abhän<ii<r  von
der  Erkenntniss  derselben  durch  eine  Intelligenz  ausserhalb  derselben. ­
  Gerade  umgekehrt  glauben  wir  bemerken  zu  müssen,  sei  das
Vorhandensein  eines  realen  Causalverhältnisses  vielmehr  die  unerlässliche ­
  Bedingung,  damit  dasselbe  wahrgenommen  und  erkannt
werden  könne.  Das  Vorhandensein  unendlich  vieler  Causalprocesse
in  der  Natur  längst  von  ihrer  Erkenntniss  durch  irgend  einen
Beobachter,  sowie  die  gewisse  Ueberzeugung,  dass  fortwährend
unzählige  Causalprocesse  unter  den  Dingsn  Vorgehen,  die  noch  von
keiner  Intelligenz  wahrgenommen  worden  sind  ,  scheinen  diese
Bemerkung  zu  bestätigen.
In  prop.  IV.  fährt  er  fort:  Zwei  oder  mehrere  besondere
(distincta)  Dinge  werden  unter  sich  unterschieden  entweder  nach
der  Verschiedenheit  der  Attribute  ihrer  Substanzen  oder  nach  der
Verschiedenheit  der  Affectioncn  derselben.  Denn  Alles  was  ist,  das
ist  nach  ax.  1  entweder  in  sich  selbst  oder  in  einem  Andern,  d.  h.
an  sich  (extra  intellectum)  gibt  es  nichts  ausser  den  Substanzen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.