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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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wo  die  zwei  wichtigsten  Hauptrichtungen  der  Metaphysik  auseinandergehen, ­
  indem  die  Einen  die  Vielheit,  die  Andern  die  Einheit
des  metaphysischen  Grundprincips  behaupten.  Unterwerfen  wir,
da  wir  bei  der  Betrachtung  des  wichtigsten  Stimmführers  der  Letzteren ­
  stehen  ,  die  Sache  ,  aus  welcher  folgen  soll,  es  gebe  nur
eine  einzige  Substanz  ,  einer  näheren  Untersuchung.
Spinoza,  nach  Art  der  Geometer,  schickt  seiner  Ethik  eine
Anzahl  Definitionen  und  Axiome  voraus,  aus  welchen  er  das  Nachfolgende ­
  demonstrirt.  In  Lehrbüchern  der  Geometrie  pflegten  dieselben ­
  gewöhnlich  leichtfertig  behandelt  und  geprüft  zu  werden,
denn  es  ist  eine  Untugend  derselben,  wie  der  Mathematik  überhaupt,
das  Philosophische  an  ihr  nur  obenhin  abzumachen.  Dennoch  bringt
diese  Vernachlässigung  dem  Mathematiker  in  der  Regel  wenig
Schaden  ,  weil  er  an  der  Anschauung  der  Figur  in  der  Geometrie,
an  der  Erfahrung  in  der  Analysis  einen  Probirstein  für  seinen  Calcul
  findet,  mag  die  logische  Grundlage  desselben  wie  immer  beschaffen ­
  sein;  der  Philosoph  aber,  der  die  Methode  des  Geometers
und  des  Mathematikers  überhaupt  nachahmt,  entbehrt  dieses  Vortheils
  und  er  bedarf  desshalb  einer  verdoppelten  Aufmerksamkeit
sogleich  in  den  ersten  Begriffserklärungen  und  unbewiesenen  Sätzen.
Die  Axiome  Spinoza’s  sind  beinahe  durchgehends  von  der  Art,  dass
eine  aufmerksame  Kritik  schon  an  ihnen  gar  Manches  auszusetzen
fände.  Er  behauptet  ax.  I.,  dass  Alles,  was  ist  ,  entweder  in  sich
(in  se)  oder  in  einem  andern  (in  alio)  sei.  Dies  können  wir  gelten
lassen.  Weniger  deutlich  ist  schon  ax.  24,  dass  Alles,  was  nicht
durch  ein  Anderes  begriffen  (concipi)  werde,  durch  sich  begriffen
werden  müsse,  durch  die  Unentschiedenheit  des  Wortes  (concipi),
welches  bald  auf  einen  blossen  Begriff,  bald  auf  einen  wirklichen  Gegenstand ­
  bezogen  werden  kann.  Für  falsch  möchten  wir  ax.  4.  erklären, ­
  dass  die  Erkenntniss  derWirkung  abhänge  von  der  Erkenntniss  der
Ursache  und  dieselbe  einschliesse,  da  vielmehr  wie  jedem  Naturkundigen ­
  bekannt,  viel  öfter  das  Umgekehrte  stattfindet,  und  aus  der  Wirkung ­
  die  Ursache  erkannt  wird.  Unklar  ist  endlich  auch  ax.  5,  wonach
Alles,  was  nichts  mit  einander  gemein  hat,  auch  nicht  durch  einander
wechselseitig  begriffen  werden  (intelligi)  könne,  es  ganz  unbestimmt
bleibt,  was  unter  dem  Worte  „gemein  haben”  (commune  habere)
verstanden  sei.  Indess  wollen  wir  diese  Sätze  fürs  Erste  gelten
lassen,  um  sie  einer  spätem  Prüfung  aufzusparen,  welche  be-24
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