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in Spinoza’s Begriff der Substanz, von welchem einer der neuesten
Beurtheiler, Ulrici, bemerkt, dass er im Grunde nichts als den
Begriff der absoluten Voraussetzungslosigkeit enthalte, so wie in
der sogleich folgenden Deduction, dass es der Substanzen nicht
mehr als eine einzige geben könne. „Per substantiam” heisst es
gleich in der dritten Definition des ersten Buches der Ethik, „intelligo
id, quod in se est et per se concipitur; hoc est, cujus conceptus
non indiget conceptu alterius rei, a quo formari debeat.”
Jenes in se esse erklärt Ulrici für das reine Sein der Eleaten,
das unentschieden sowohl die absolute Voraussetzungslosigkeit des
Begriffs der Substanz als dieser selbst, als wirklicher Gegenstand
betrachtet, bedeuten kann. Wir glauben schon an dieser Stelle
eine wuchtige Vermengung zweier ganz verschiedenen Behauptungen
anmerken zu dürfen ; deHn es ist doch gewiss nicht einerlei zu behaupten
, dass ein Ding, dessen Begriff nicht des Begriffes
eines andern Dinges bedürfe, um definirt zu werden (formari),
und dass dasselbe auch der wirklichen Existenz nach d. h. um zu
existiren , der Existenz keines andern wirklichen Dinges bedürfe.
Die erste Behauptung erklärt den Begriff der Substanz für einen
durchaus einfachen , für einen Urbegriff, der keinen weitern als
Bestandteil voraussetzt, die zweite definirt die Substanz selbst
(nicht ihren Begriff) als das Urprincip alles Wirklichen, als dasjenige
Wirkliche, das der Grund alles andern Wirklichen ist, ohne
selbst einen Grund ausser sich zu haben , als causa sui. Der Umstand
, dass Spinoza diese letztere Eigenschaft seiner Substanz
späterhin noch eigends beilegen zu müssen glaubt, darf uns hiebei
nicht irre machen. Wenn man mit Ulrici das in se esse ausschliesslich
auf die logische Voraussetzungslosigkeit des Substanzbegriffs
deuten w T ollte, so würde man sogleich durch das ax. I. widerlegt
werden , wo es ausdrücklich heisst: „Omne, quod est, aut in se,
aut in alio est,” wo der Ausdruck in se esse im Gegensatz
zu jenem in alio esse im realen Sinn gebraucht wird. Spinoza
vermengt daher in der That beide Bedeutungen und leg
dadurch den Grund zur Behauptung der ursprünglichen Identität
des Urseins und Urbegriffs in einem indifferenten reinen Sein,
wie es der moderne Monismus weiter ausgebildet hat. Gestützt auf
diese Behauptung folgert er in prop. XI.: „Deus sive substantia constans
infinitis attributis, quorumunum quodque aeternam et infinitara
Sitzb. d. philos.-hist. CI. Jahrg. 1850. II. Bd. III. Heft. 24