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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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gaben  und  Beurtheilungen  Spinoza’s  hervorgerufen.  Wir  wollen'
davon  nur  die  tlieils  Spinoza  allein  ,  tlieils  ihm  in  Verbindung
mit  Andern  gewidmeten  Arbeiten  von  Orelli,  Auerbach  ,  Sigwart,
  Thomas,  Helfferich,  Keller  und  Schaarschmidt  nennen,
ausführliche  Beurtheilungen  ,  die  sich  in  grossem  Werken  wie
bei  Jacobi,  Herbart  in  der  Metaphysik  ,  Fichte  d.  J.,  Ulrici,
L.  Feuerbach,  u.  A.  finden,  ungerechnet.  Schliesslich  wollen
wir  nur  daran  erinnern,  wie  Vieles  in  Spinozistisclie  Denkweise ­
  einschlagend  die  Weltanschauungen  mehrerer  unserer  grössten ­
  Geister,  selbst  Göthe’s  und  Herder’s  ,  so  wie  der  meisten
unserer  Dichter  und  vornehmlich  Naturforscher  enthalten.
Dieser  logischen  Consequenz  gegenüber,  die  Spinoza’s  stärkste ­
  Schutzwehr  ist,  blieb  die  Kritik  bisher  nicht  selten  bloss
desshalb  im  Nachtheil,  weil  sie  Moss  au  das  grosse  Ganze  sich
haltend  ,  dessen  Resultate  an  ihrer  eigenen  Ueberzeugung  mass
und  verurtheilte,  was  wie  der  verstorbene  Danzel  in  seinem
Leben  Lessing’s  treffend  bemerkte  „die  schlechteste  aller  Kritik”
ist,  weil  dadurch  Niemand  ,  weder  der  Autor,  den  eine  Kritik
ohnedies  selten  belehrt,  noch  der  Leser  ,  der  statt  der  getadelten
nur  eine  neue  Ansicht  erhält,  überzeugt  wird.  Soll  eine  philosophische ­
  Kritik  den  streitigen  Gegenstand  wirklich  aufhellen,  so
muss  sie  es,  unserer  Ansicht  nach,  nicht  verschmähen,  demselben
bis  in  sein  Detail  nachzugehen,  die  Ansicht  des  Gegners,  Begriff
um  Begriff,  Satz  um  Satz,  Schluss  um  Schluss  zu  prüfen  ,  und
nicht  genug  gethan  zu  haben  glauben,  wenn  sie  statt  der  Meinung
des  Gegners  bloss  die  eigene  gesagt  hat.  Bei  einem  System  dagegen,
dessen  grösster  Vorzug  in  der  innern  logischen  Vollkommenheit
besteht,  darf-  die  Kritik  sich  schon  ein'  Verdienst,  mag  es  auch
ein  geringes  im  Verhältniss  zum  Neubau  sein,  zuschreiben,  wenn
sie  nur  auf  eine  nicht  unwichtige  Lücke  im  Bau  des  Systems  selbst
aufmerksam  gemacht  hat.  Und  diess  kleine  Verdienst  ist  es  allein,
zu  welchem  Schreiber  dieses  in  diesem  und  den  folgenden  Vorträ-*
  gen  rücksichtlich  Spinoza’s  auch  seinerseits  ein  Scherflein  beizutragen ­
  hofft.  —
Zu  diesem  Zwecke  eröffnet  sich  der  unparteiischen  Kritik
kein  anderer  Weg,  als  sich  mit  dem  System  an  dessen  Ursprung
zu  versetzen  und  diess  Fundament  zu  prüfen,  auf  welchem  Spinoza
seinen  logischen  Prachtbau  aufführt.  Diese  Uranfänge  finden  sich

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