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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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ist  gerade  dieselbe  ,  welche  jeden  logischen  Kopf,  also  jeden  guten ­
  ,  am  meisten  befriedigt  und  auch  diejenigen  zu  fesseln  vermag,
denen  Speculation  und  Traum  sonst  gleichbedeutende  Dinge  sind.
Die  Euklidische  Geometrie  steht  seit  dem  Ende  ihres  Stifters  bewundert ­
  und  unerschüttert  da  ,  und  es  gilt  für  das  Ideal  der  Wissenschaftlichkeit ­
  sich  ihrer  Form  und  Folgerichtigkeit  wenigstens
anzunähern.  Dieses  nicht  zu  vermögen,  ist  der  stärkste  und  häufigste
Vorwurf,  den  die  sogenannten  eracten  Wissenschaften  gegen  die
Philosophie  zu  erheben  pflegen,  welche  ihrer  Objectivität  gegenüber ­
  als  ein  Gewirre  einander  widerstreitender  Meinungen  und  subjectiver
  Ansichten  erscheint.  Die  Methode  der  Geometrie  oder  der
Mathematik  überhaupt  zu  adoptiren  muss  daher  als  die  wirksamste
Empfehlung  eines  Systems  für  Alle  erscheinen,  die  ein  strenges
und  consequentes  Denken  auch  in  der  Philosophie  am  Platze  sehen
wollen.  Die  moderne  Philosophie  ,  in  allem  eine  Enkelin  Spinoza’s
hat  sich  eine  gleiche  Empfehlung  durch  Erfindung  einer  untrüglichen ­
  dialektischen  Methode  zu  sichern  gehofft,  nicht  ohne  damit
gerade  bei  jenen  auf  den  härtesten  Widerstand  zu  stossen,  denen
die  mathematische  Methode  das  grösste  Vertrauen  einflösste.
Ein  eigenthümlicher  Sauber  scheint  in  der  geometrischen  Demonstrationsart ­
  Spinoza’s  zu  liegen,  der  trotz  der  so  trockenen
Darstellung  den  Leser  kaum  zur  Besinnung  kommen  lässt,  und
ihn,  wenn  er  einmal  in  ihre  magischen  Kreise  eingetreten  ist,
unaufhaltsam  wie  der  Gesang  des  Tannhäusers  mit  sich  fortreisst,
bis  er  beim  Erwachen-in  jenem  verrufenen  Venusberge  sich  findet,
dem  die  Wissenschaft  den  Namen:  Pantheismus  gibt.  Grosse,
lichtvolle  Köpfe,  wie  Lessing,  haben  von  dem  Reiz  dieser
strengen  Consequenz  sich  einnehmen  lassen,  und  das  harte  Urtheil,
  das  Leibnitz  über  Spinoza  fällte,  beweist  nur,  dass  er
dessen  Resultate  verdammte,  nicht  aber,  dass  er  dessen  Art
zu  beweisen  zu  gering  geschätzt  habe.  Weit  entfernt  der  Vergessenheit ­
  der  Zeit  anheimzufallen  ,  hat  das  Wiederaufleben  der
Spinozistischen  Grundanschauung  in  Schelling  und  Hegel  gezeigt,  *
dass  der  Monismus  in  der  Metaphysik  noch  unüberwunden  sei.
Ihre  ihm  so  nah  verwandten  Ansichten  ,  dass  sie  fast  für  entlehnte ­
  gelten  können,  haben  in  einer  Epoche,  die  sich  von
Productionen  erschöpft,  beinahe  ausschliesslich  mit  Bearbeitung
des  Vorhandenen  beschäftigt,  zahlreiche  Darstellungen,  Heraus-
            
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