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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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gen,  die  ,  obgleich  sie  nur  einzelne  BegTiffe,  Sätze  und  Schlüsse
betreffen  ,  ihr  dennoch  nicht  zu  geringfügig  erscheinen  mögen,  ln
der  Geschichte  des  menschlichen  Denkens  begegnen  wir  nur  zu
häufig  der  Erscheinung,  dass  wie  in  der  Natur  aus  dem  anfänglich
unansehnlichen  Klumpen  Schnee  die  zerstörende  Lavine,  so  aus
einem  ursprünglich  unbedeutend  erscheinenden  Irrthum,  der  sich  das
Ansehen  der  Wahrheit  gibt,  eine  Kette  in  haltschwerer  Folgerungen
sich  entwickelt,  die  zuletzt  über  weite  Gebiete  bisher  für  unantastbar ­
  gehaltener  Wahrheiten  sich  ausbreitend,  dieseselbstin  denNebel
des  Zweifels  und  der  Ungewissheit  mit  sich  hineinzieht.  Diese
Folge  tritt  um  so  sicherer  ein,  je  consequenter  und  in  sich  vollendeter ­
  das  Lehrgebäude  ist,  über  dessen  Schwelle  der  Irrthum  sich
eingeschlichen  hat,  und  je  unangreifbarer  die  Methode  erscheint,
an  deren  Hand  das  System  von  jenem  kleinen  Anfang  zu  seiner  endlichen ­
  Abrundung  fortgeschritten.  Y/enu  sich  dann  wie  in  einer
ehernen  Phalanx  Vorder-  auf  tlinterglied  lehnt  und  stützt,  bleibt
der  Kritik  nichts  übrig  ,  als  den  Keil  bis  zu  jenem  Schluss-  und
Anfangsglied  zurückzutreiben,  mit  dem  das  System  selbst  entweder ­
  fester  bestehen  oder  für  immer  fallen  muss.
Spinoza’s  System  hat  vornehmlich  durch  zwei  Motive
einen  zahlreichen  Kreis  von  Verehrern  und  treuen  Anhängern  sich
zu  erwerben  und  zu  erhalten  gewusst:  durch  den  Ruf  seiner  eisernen ­
  Consequenz,  in  dem  es  steht,  und  durch  den  Verdacht  der
Verfolgung  ,  in  dem  es  vor  Kurzem  noch  stand.  Durch  diesen  gewann ­
  es  die  freien,  durch  jenen  die  scharfen  Denker.  Die  erbitterten ­
  Gegner,  die  es  fand,  griffen  —  der  unbefangene  Betrachter  der
Geschichte  der  Philosophie  muss  es  gestehen  —  mehr  jene  Consequenzen
  ,  die  heilig  gehaltenen  Ansichten  der  neuen  Zeit  zuwider
liefen,  als  die  innere  Structur  des  Spinozismus  an,  vorderen  für
unwiderleglich  geltenden  Logik  sie  eine  Art  frommer  Scheu  zu
empfinden  schienen  ,  oder  zogen  es  vor  ,  den  Lehrer  statt  seiner
Lehre  zu  bekämpfen.  Erst  der  neueren  und  neuesten  Zeit  war  es
Vorbehalten,  wenigstens  die  Phrasen  des  Stifters  des  Systems  von
unwürdigem  Verdachte  zu  reinigen  und  gegen  seine  Lehre  keine
andern  Waffen  zu  gebrauchen,  als  die  er  selbst  so  meisterhaft,
dass  ihn  selbst  die  Gegner  anstaunten  ,  die  ihn  nicht  widerlegen
konnten  ,  zu  handhaben  verstand,  die  einer  genauen  mathematisch
demonstrirenden  Logik.  Die  Methode,  deren  Spinoza  sich  bediente,
            
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