22
Diess und die fast gänzliche Unbekanntheit des Werkes und
des Verfassers *) mögen es entschuldigen, wenn ich es wage,
einer so ernsten Versammlung eine so lustige Person vorzuführen
und von ihren possenhaften Einfällen zu sprechen.
Diese Narren-Chronik ist ungedruckt geblieben, und verdient
auch, wie Herr Professor Ranke (a. a. 0.) mit Recht
bemerkt, keine Herausgabe; musste aber, wie leicht begreiflich,
als eine Art von Chronique scandaleuse zu ihrer Zeit eine beliebte
pikante Lectüre gewesen sein, denn es sind mehrere Abschriften
davon bis auf uns gekommen, und eine derselben besitzt
auch die k. k. Hofbibliothek, deren ausführliche Reschreibung
ich es der Mühe werth halte, in der Beilage A zu geben.
Da aber die grösste Merkwürdigkeit des Werkes gerade der
V erfasser ist, und dessen Characteristik zugleich einen kleinen
Beitrag zu der von unserem geehrten Mitgliede Herrn Schlager
projectirten „Geschichte der Hofnarren im Dienste der österreichischen
Fürsten und Grossen” gibt, so will ich vor allen
die wenigen Notizen, die ich über dessen Persönlichkeit und
Schicksale auffinden konnte, zusammenstellen.
Zwar habe ich selbst bei jenen Bibliographen und Literarhistorikern,
die das Werk anführen, vergeblich um Auskunft
über den Verfasser gesucht, ja es scheint ihnen selbst|dessen
Stellung, auf der doch das Verständniss und die Merkwürdigkeit
des Werkes beruhen, gänzlich unbekannt geblieben zu sein 3 ).
Hingegen fand ich in einem eben so seltenen als curiosen
Büchlein: „Florestaespanolade apotegmas, o sentencias sabia,
y graciosamente dichas de algunos Espanoles. Colegidas por
Melchor Santacruz de Duenas, vezino de la ciudad de Toledo”-Huesca,
por Pedro Bluson. 1618 12° 3 ) die „geistreichen und
*) In neuerer Zeit hat meines Wissens nur Herr Professor Ranke, dein
nichts entgeht, dieser Chronik mit ein paar Worten gedacht, ohne jedoch
über die Stellung des Verfassers etwas zu bemerken. (Deutsche Geschichte
im Zeitalter der Reformation Bd. Vt. „Chronisten Carl’s V.” S. 157.)
2 ) So sagt selbst Ni c. Antonio (Bibl.hisp. nova s. v. F r a n c i s cu s de Züniga,
Tom I. p. 501) nur: „D. Franciscus (vulgari usu ab aliquibus usurpato
Franc es) de Zuniga, nescio quis, in seriis ludere volens, Historiam
(ita vocat) scripsit Caesaris Caroli ridiculam etsalibus urbanis conditam”.—
Die Uebrigen bemerken gar nichts über den Verfasser (s. Beil. A).
3) Schon die nachstehende Abschrift der „Tabla de los capitulos” wird einen
Begriff von dem Interesse dieses seltenen Büchleins geben: