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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Ehe  ich  meine  Arbeit  begann,  schon  hier  in  Wien,  machte
ich  mir  wie  natürlich  eine  Art  Plan,  der  jedoch  nach  den  ersten
acht  Tagen  abgeändert  werden  musste.
Ich  wollte  nämlich  die  grösst  mögliche  Zahl  von  Bibliotheken ­
  und  Archiven  besuchen,  da  ich  nicht  hoffen  konnte,  eine
solche  Reise  zu  wiederholen.
Ich  meinte  so  schnell  als  möglich  überall  die  sogenannten
Austriaca  mir  notiren  zu  können.
Eine  Stunde  in  der  herrlichen  so  reichen  Hofbibliothek  in
München  belehrte  mich  eines  Andern.  —
Einerseits  fand  ich,  dass  hier  ein  ungeheuer  grosser  beinahe
unübersehbarer  Vorrath  aufgestapelt  ist,  andererseits  zogen  mich
gleich  die  ersten  Handschriften  welche  ich  kennen  lernte  so  an,
dass  ich  ihre  sofortige  Benützung  selbst  vornehmen  wollte.  —
In  der  Münchner  Bibliothek  ist  centralisirt,  was  durch
Jahrhunderte  in  so  vielen  Bibliotheken  der  Herzoge  von  Bayern,
der  Churfürsten  von  der  Pfalz  (zum  Theile  ,  nämlich  was  in
Mannheim  aufbe  wahrt  war),  dann  der  Hochstifter  Pass  au,
Regensburg,  Freising,  Augsburg,  Bamberg,  Würzburg ­
  etc.,  weiters  zahlloser  Klöster  und  mehrerer  höchst  bedeutender ­
  Reichsstädte,  z.  B.  Nürnberg  u.  s.  w.  gesammelt  wurde.
Höchst  bedeutend  sind  diese  successiven  besonders  durch
die  Säcularisation  im  Anfänge  dieses  Jahrhunderts  veranlassten
Acquisitionen.
In  Bayern  wurden  sorgfältig  die  literarischen  Schätze  dieser
geistlichen  Körperschaften  in  Empfang  genommen,  nicht  so  leichtsinnig ­
  und  fast  möchte  ich  sagen  barbarisch  verschleppt  und  der
Vernichtung  ausgesetzt,  wie  es  in  Oesterreich  in  den  Tagen  der
Kloster-Aufhebung  unter  K.  Joseph  II.  geschah,  wenigstens  in
nicht  wenigen  Klöstern.  —
Um  nur  einige  Beispiele  von  Bereicherung  der  Münchner
Bibliothek  durch  derlei  Bibliotheken  geistlicher  Corporationen  anzuführen, ­
  bemerkeich  Folgendes:
So  wurden  aus  der  nicht  bedeutenden  Canonie  Di  essen  im
Augsburger  Bisthum  (welche  im  Vorbeigehen  bemerkt,  noch  im
fünfzehnten  Jahrhundert  Güter  in  Kärnthen  besass)  am  17.  Mai
1803  154  Manuscripte,  404  Incunabeln,  16  Musikbücher,  weiters
175  Folianten,  205  Quartanten  und  326  Octavbände  und  4  Fas-
            
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