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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Diese  historischen  Lieder  ,  welche  meist  gleichzeitig  mit  den  Ereignissen ­
  entstanden,  vertraten  die  Stelle  der  Volksgeschichte,
und  wurden  nicht  allein  durch  das  Volk  und  die'Krieger,  sondern
hei  feierlichen  Gelegenheiten  durch  die  erwähnten  Sänger,  welche
häufig  wohl  zugleich  die  Verfasser  derselben  waren,  vorgetragen.
Ausser  diesen  epischen  Gesängen  gab  es  noch  mancherlei  andere, ­
  denn  das  ungrisclie  Volk  war  von  jeher  singelustig  und  liederreich, ­
  die  Poesie  seine  treue  Begleiterin,  wie  heute  noch,
beim  Gottesdienst  und  bei  Gelagen,  bei  Trauer  und  Lust.  Ihre
Opfer  waren  mit  Hymnen  verbunden  ,  die  Priester  sprachen  in
Versen  zum  Volk.  Bei  den  Leichnamen  ihrer  Verblichenen  sangen
sie  Klagelieder,  und  mit  solchen  ehrten  sie  am  Jahrestage  ihres
Todes  deren  Andenken.  Das  Mädchen  erging  sich  bei  der  Arbeit
im  Liede,  und  bei  Fest  und  Schmaus  durften  neben  den  Heldenliedern ­
  auch  Schnurren  nicht  fehlen;  von  letzteren  scheinen  ihre
Sänger  durch  die  Chronisten  des  Mittelalters  den  Namen  der  Joculatoren
  erhalten  zu  haben.  ‘In  der  Volkssprache  hiessen  sie'
„hegedös”  von  dem  Saiteninstrumente,  mit  welchem  sie  ihren  Gesang ­
  begleiteten.  Auch  durfte  bei  Lustbarkeiten  wie  der  Tanz,
so  auch  die  Musik  nicht  fehlen;  und  Anonymus  erzählt  uns,  dass
bei  den  Gelagen,  die  Arpäd  und  die  Seinen  in  der  Etzilburg  hielten ­
  —  um  uns  seiner  eigenen  Worte  zu  bedienen  —  „  nebst  den
Gesängen  der  Joculatoren  alle  Symphonien  und  die  süssen  Töne
der  Zithern  und  Flöten  erklangen.”
Schliesslich  noch  ein  Wort  über  die  anderen  Künste.
Weit  davon  entfernt  dieses  Wort,  wenn  wir  von  einem  Volke
sprechen,  das  kaum  noch  feste  Sitze  genommen,  im  höheren
Sinne  zu  nehmen,  dürfen  wir  doch  einige  Spuren  derselben
bei  den  alten  Ungern  nicht  übersehen.  Dass  die  Bildner  ei,
so  roh  sie  auch  sein  mochte,  diesem  Völkerstamme  nicht  fremd
war,  beweisen  die  ungrisclien  Chroniken,  nach  welchen  die
hunische  Grabstätte  zu  Szäzhalom  eine  Statue  zierte;  es  beweisen ­
  es  die  unzähligen  Steingebilde  in  Lebedien,  welche,  wie
nicht  mehr  bezweifelt  werden  kann,  von  den  stammverwandten
Hünen  herstammen.  So  waren  auch  die  Opferstätten  der  heidnischen ­
  Ungern  mit  den  Gebilden  der  Gottheit  geschmückt,  wie
diess  aus  IL  Andreas  Edicte  (1046)  und  Ladislaw’s  Gesetzen
(1092)  deutlich  hervorgeht  Ein  zweites  Feld,  und  zwar  für
Sitzb.  d.  philos.  histor.  CI.  Jahrg.  1850.  II.  Bd.  I.  Heit  2
            
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