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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Bekanntschaft  der  gelehrtesten  Männer,  besprach  sich  mit  ihnen  und
hielt  Vorlesungen.  Der  Hauptzweck  seiner  Reise  aber  war  ausser
der  Pilgerschaft  zur  Habe,  welche  die  Pflicht  jedes  Moslims  ist,  die
Wallfahrtsorte  in  Syrien  zu  besuchen,  über  die  er  Herewi’s  Werk
über  die  Wallfahrtsorte  häufig  anführt.  Es  ist  eine  bekannte  Bemerkung, ­
  wie  sehr  dieMohamedaner  ihre  Todten  ehren,  um  so  mehr
die,  welche  sich  durch  ein  frommes  Leben  au;  zeichneten.  So  kömmt
es,  dass  in  allen  mohammedanischen  Städten  zahlreiche  Gräber,
meist  mit  einer  kleinen  Kuppel  überwölbt  zu  sehen  sind,  die  vom
Volke  mit  frommer  Verehrung  betrachtet  werden.  Oft  sieht  man
Leute  aus  den  besten  Ständen  in  den  Strassen  vor  einem  solchen
Grabgebäude  stille  stehen,  und  die  Hand  auf  das  Gitter  des  Fensters ­
  legend  andächtige  Gebete  murmeln.  Aber  nicht  bloss  in  Städten ­
  sondern  eben  so  gut  auf  dem  offenen  Lande  sind  solche  Gräber  nicht
selten.  Bei  Reisen  im  Innern  des  Landes  sieht  man  oft  auf  dem
Gipfel  eines  Hügels  ein  weisses  Gebäude  mit  Kuppel  stehen,  und
fast  kein  Dorf  ist  ohne  einen  solchen  Dorfheiligen,  je  älter  das
Grab  ist,  je  mehr  das  Andenken  an  die  Persönlichkeit  des  Verstorbenen ­
  verschwindet,  desto  höher  wird  die  Verehrung  des  Grabes,
indem  sich  der  gemeine  Mann  den  Verstorbenen  als  Heiligen  ja  als
Propheten  idealisirt  und  so  kömmt  es,  dass  so  unzählige  Gräber  von
Propheten  in  Syrien  zerstreut  sind,  nicht  bloss  Propheten  deren
Namen  bekannt  sind,  sondern  auch  von  namenlosen.  Obwohl  nun
unser  Scheich  streng  rechtgläubiger  Moslim  war,  so  befähigte  ihn  doch
seine  historische  Belesenheit  oft  die  Unechtheit  irgend  eines  Grabes ­
  nachzuweisen;  dessenungeachtet  versäumt  er  es  nie  die  Fat  iha
an  jedem  Grabe,  sei  es  echt  oder  unecht,  zu  beten.  Er  tritt  seine
Reise  mit  dem  Besuche  aller  heiligen  Gräber  in  Damaskus  an,  so
wie  der  Gräber  seines  Vaters,  seiner  Mutter  und  Anverwandten,
überall  betet  er  die  Fatiha,  und  gibt  bei  dieser  Gelegenheit  einige
recht  interessante  Mittheilungen  zur  Topograhphie  von  Damaskus. ­
  Mit  allen  Moslimen  theilt  unser  Scheich  die  abergläubische
Verehrung  für  Wahnsinnige,  Derwische  und  den  Aberglauben  derselben, ­
  dass  gottbegeisterte  Leute,  deren  tolle  Streiche  von
dem  Volke  dadurch  entschuldigt  werden,  dass  die  Seele  in  der
Anschauung  des  Allerhöchsten  versunken  sei,  dass  solche  Leute
nicht  für  das,  was  der  Körper  thue  verantwortlich  sein  könnten. ­
  Obwohl  der  Scheich  in  einer  Hinsicht  so  strenggläubig  war.
            
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