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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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der  um  so  heller  strahlte,  je  mehr  damals  die  Gemüther  im
griechischen  Reiche  durch  ein  in  Spitzfindigkeiten  und  Grübeleien
versunkenes  Christenthum  und  im  persischen  durch  die  von
ursprünglicher  Reinheit  herabgesunkene  Lehre  Zoroaster's  umdunkelt
  wurden.  Ein  ganzes  Volk  begeisterte  sich  für  die  neue
Lehre,  die  in  dessen  innerstes  Mark  und  Blut  überging,  erobernd
breitete  es  sich  über  Asien  und  Afrika  aus  und  bedrohte  eine  Zeitlang ­
  sogar  Europa  mit  Unterjochung:  so  entstand  ein  grosses
Reich,  durch  die  gewaltige  Erschütterung  läuterten  sich  die  Kräfte,
grosse  Männer  entsprachen  den  Anforderungen  einer  grossen  Zeit,
die  Wissenschaften,  früher  von  Griechen  und  Persern  gepflegt,
wurden  aufs  neue  bei  rieben  und  mit  solchem  Erfolge,  dass  der  in
der  Barbarei  des  Mittelalters  in  Europa  halberloschene  Eifer  für
wissenschaftliche  Bestrebungen  durch  die  Araber  aufs  neue  angefacht ­
  ward.  Allein  bald  zerfiel  das  arabische  Weltreich;  türkische
Horden  stürtzten  herein  und  bemächtigten  sich,  den  Glauben  der
Besiegten  annehmend,  dieser  schönen  Länder,  unter  beständigen
Kriegen  kleiner  Fürsten  unter  einander  konnte  weder  Wissenschaft
noch  Bildung  gedeihen,  religiöser  Fanatismus,  stets  der  Begleiter
der  Unwissenheit,  nahm  überhand,  das  Studium  der  Naturwissenschaften ­
  und  Philosophen  ward  verlassen,  unerspriessliche  Koranskunde, ­
  arabische  Grammatik  und  wenige  poetische  Werke  waren
das  Einzige,  das  ferner  studirt  ward;  dazu  kam  noch  der  im  Oriente
immer  mehr  sich  ausbreitende  Ssufismus,  der  dem  antiken  Stoicismus
  in  manchen  Punclen  ähnlich  in  völliger  Selbstentäusserung
und  Auflösung  in  göttlicher  Liebe  die  wahre  Lebensweisheit
sehend,  einer  verderblichen  Gefühlsspinnerei  das  Wort  sprach,
welche  jedes  thätige,  thatkräftige  Leben  verdammte  und  einem
passiven  Hinbrüten  und  scheinheiligen  Nichtsthun  noch  Verdienstlichkeit ­
  vorGott  zuschrieb.  So  verfiel  alleBildungmehr  und  mehr  und
starr  am  Buchstaben  des  mohammedanischen  Gesetzes  festhaltend,
ward  im  ganzen  Oriente  der  Grundsatz  d.  i.  die
Ueberlieferung  und  nicht  die  Vernunft  sei  in  zweifelhaften  Fällen
zu  befolgen,  allgemein  geltend.  So  kam  es,  dass  der  Volkscharacter
  sich  allmälich  völlig  veränderte;  nicht  wenig  trug  auch
dazu  der  Umstand  bei,  dass  in  allen  Städten  die  Osmanli  die
Oberhand  hatten,  die  von  europäischem  Einflüsse  halb  civilisirt,
halb  aber  noch  die  Rohheit  ihrer  Ahnen  bewahrend,  durch  eine
            
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