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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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tung  das  Weib  schon  bei  den  alten  Ungern  stand.  Gastfreundschaft, ­
  Treue  gegen  Bundesgenossen  und  ein  lebhaftes  Gefühl
für  Kriegerehre  vervollständigen  das  Characterbild  eines  Volkes, ­
  das,  ohne  jene  Fehler  zu  verhehlen,  welche  hauptsächlich
in  ihren  damaligen  öffentlichen  Lebensverhältnissen  wurzelten,
und  wohl  auch  dem  Zeitalter  angehörten,  einen  gesunden,  edeln
Fond  und  einen  gewissen  Grad  wahren  menschlichen  Gehaltes
besass.
§.  4.  Das  sprechendste  Denkmal  intellectueller  Tüchtigkeit ­
  dieser  neuen  Gäste  Europas  ist  uns  aber  ihre  Sprache
selbst.  Ohne  auch  ein  einziges  Ueberbleibsel  derselben  in  zusammenhängender ­
  Rede  aus  der  heidnischen  Zeit  zu  besitzen,
lässt  nichts  destoweniger  die  philosophische  Betrachtung  der
ältesten  Sprachdenkmäler  uns  ein  ganz  richtiges  Bild  von  dem
Zustande  auffassen,  in  welchem  sie  den  Don  überschritt.  Wenn
wir  nämlich  die  ungrische  Sprache  durchforschen  und  sie  mit
der  heutigen  vergleichen,  so  lässt  sich  mit  Bestimmtheit  behaupten, ­
  dass  sie  in  ihrem  jetzigen  Vaterlande  keine  einzige
neue  grammatische  Form  entwickelte,  durch  keine  einzige  Formation ­
  reicher  geworden,  wohl  aber  manche  eingebiisst  hat  oder
doch  veralten  sah;  dass  sie  keine  neuen  Wurzeln  erzeugte,  und
sich  bloss  durch  Aufnahme  fremder  Wörter,  ungleich  mehr  jedoch ­
  auf  dem  Wege  der  Ableitung  nach  den  alten  Grundgesetzen
der  Wortbildung,  und  auf  dem  der  Zusammensetzung  bereichert
hat.  Nur  die  Syntax  hat  neben  ihren  alten,  durchaus  eigenthümlichen
  und  körnigen  Formen,  viele  neue  aufgenommen,  wodurch
die  Sprache  bedeutend  umgestaltet,  zugleich  aber  an  Reichthum,
an  Mannigfaltigkeit  und  Gewandtheit  allerdings  wesentlich  gewonnen. ­
  Wenn  wir  auf  solche  Weise  alles  das,  was  am  Bau  und  Material ­
  der  Sprache  unbezweifelbar  voreuropäisch  ist,  fest  halten;
überdiess  von  den  phonetischen  Veränderungen  abstrahiren,  welche
im  Laufe  so  vieler  Jahrhunderte  sich  ausbildeten  —  was  um  so
weniger  schwierig  ist,  da  pro  vincieil  auch  die  alten  Dialekte
noch  leben  —  so  sehen  wir  die  Sprache  Älmos’s  und  Ärpäd’s  in
ihrer  ganzen  Totalität  erstehen,  und  müssen  es  anerkennen,  dass
sie  an  Urformen  weit  reicher  war  als  die  heutige  ist;  dagegen  lexicalisch
  zwar  ungleich  ärmer,  da  das  europäische  Leben  mit  seinen ­
  neuen  Verhältnissen,  Erzeugnissen  und  Ideenkreisen  in  ihr
            
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